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Déjà-vu

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Wenn Sie sich bei diesem Foto denken, das hatten wir doch schon einmal, täuscht Sie Ihr Gedächtnis nicht. Bereits am 2. Mai 2020 war es an dieser Stelle zu sehen, als wir über die 1882 in Dienst gestellte Landfahrspritze der FF Hötting berichtet haben. Vor kurzer Zeit ist nun im Archiv der Höttinger Feuerwehr auch der dazugehörige Kaufvertrag mit dem Wiltener Glockengießer & Spritzenfabrikanten Johann Graßmayr aufgefunden worden, der detaillierte Einblicke in die Spezifikation eröffnet. Für alle, die sich für die Geschichte der (Innsbrucker) Feuerwehren interessieren ist der Vertrag ein wahrer Leckerbissen und daher folgt hier die Transkription:

Erste Seite des Vertrages zwischen Graßmayr und der FF Hötting.

Vertrag.

Zwischen der löbl. freiwilligen Feuerwehr von Hötting und dem Spritzenfabrikanten Graßmayr in Wilten ist heute Folgendes vereinbart worden:
I. Johann Graßmayr verpflichtet sich obiger Feuerwehr eine vierräderige Landfahrspritze mit zwei stehenden, innen 150 m/m weiten Cylindern, welche bei 18-20 Mann Druckkraft und 50-60 Doppelhüben mit normalem Mundstücke in der Minute 400-440 Liter Wasser liefert und den Strahl auf 40 Meter horizontale Entfernung treibt, zu liefern. Die Spritze ist Saug und Druckwerk, daher sowohl mit den Saugschläuchen als auch aus dem Spritzenkasten gesaugt werden kann, sie hat 2 Ausläufe mit Normalgewinde, zwei Druckrohrabsperrhähne, einen Hahn zum bequemen Entleeren der Schläuche, der Saugapparat hat einen dreitheiligen Hahn mittelst welchem man durch eine viertel Umdrehung entweder aus dem Kasten oder mit dem Saugschläuchen das Wasser einfangen kann, der Wagen muß stark gebaut, leicht transportabel und beweglich, die Vorderräder vollkommen durchlenkbar, mit Kutschersitz Requisitenkasten, einer Bremse vom Bock auf beide Hinterräder, und einer beweglichen Gehwage versehen seyn. Zum Schutze der Maschine sind elastische Puffer angebracht unter dem Druckhebel. Cylinder Kolben, Ventile, Hähne, Verschraubungen und Mundstücke sind von solidem, starkem Meßingguß, die beiden Windkessel von Kupfer, der Wasserkasten von Blech, der Druckhebel und die Radachsen von bestem Schmiedeeisen und ersterer dreifach versteift. Die Ventile befinden sich in Ventilhähnen, welche sich durch Lösung einer einzigen Schraube leicht herausnehmen, reinigen und wieder einsetzen lassen, wodurch ein Versagen der Spritze nicht mehr vorkommen wird. Alle Holz und Eisentheile sind mit zweimaligem Öhlfarbanstrich und einem Lacküberzuge versehen. Die Spritze muß wenigstens 6 Meter senkrechte Höhe gut saugen.
II. Die löbl. freiw. Feuerwehr von Hötting bezahlt dem Fabrikanten nach erfolgter, anstandsloser Übergabsprobe für diese Maschine fl. 1100.– sage Elf Hundert Gulden öst. Währung [das entspricht rund 14.400 Euro] und leistet die Zahlung: die Hälfte bei Ablieferung der Spritze, die andere Hälfte innerhalb 2 Jahren vom Tage der Übergabe an. Sollte es der löbl. Feuerwehr nicht möglich sein, innerhalb zweier Jahre die 2te Rate vollständig zu begleichen, so hat selbe den rückständigen Rest von dort an mit 4% zu verzinsen.
III. Beigegeben werden zu obigen Preise:
Drei Stück Gummispiralschläuche a 2 Meter Länge mit messingnen [sic] Gewinden und Schutzleine, ein kupferner Seihkopf [sic] mit innen angebrachten Löchern und einem Ventile und Gewinde, zwei gummirten Hanfhandschläuchen a 2 Meter Länge mit 1 Normalgewinde, 2 kupferne armirte Strahlröhren mit 4 Mundstücken, 2 hölzerne Druckstangen, 3 hölzerne Saugschlauchstangen, alle nöthigen Schraubenschlüssel, eine Öhlkanne, Holzschlägel und eine Laterne mit Stützen und Stoßfedern.
IV. Für exackte [sic] und solide Ausführung der Maschine und deren einzelnen Theile, sowie für Leistungsfähigkeit, wie oben beschrieben, garantirt der Fabrikant durch fünf Jahre, wenn die Maschine von Seite der löbl. Feuerwehr sachgemäß behandelt und ordentlich in Stand gehalten wird; daher Beschädigungen der Maschine, bei denen nachgewiesen werden kann, daß der Fabrikant keine Schuldhat, in obiger Garantie nicht inbegriffen sind.
V. Anfertigungszeit ist 6 Monate. Sollte die löbl. Feuerwehr die Spritze erst im Frühjahre 1882 beziehen wollen, so steht ihr dies frey, selbstverständlich haben dann auch die Zahlungsraten vom Frühjahre resp. der dort stattfinden[den] Übergabe an zu beginnen.
VI. Zur Bestättigung [sic] dessen ist dieser Vertrag doppelt ausgefertigt und von beiden Theilen unterschrieben und jedem Contrahenten ein Exemplar eingehändigt worden.

Wilten den 1. July 1881.

Johann Graßmayr
Anton Hupfauf d.z. Obmann
Alois Schranz Schriftführer
Anton Auer Magazineur

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Sehr interessante Quelle! Über diese Feuerspritze haben die Innsbrucker Nachrichten am 21. April 1882 berichtet:

    „Neue Feuerspritze für die Feuerwehr in Hötting. Gestern wurde die
    von der Firma Graßmahr in Wilten hergestellte neue Feuerspritze der freiw.
    Feuerwehr in Hötting der ersten Probe unterzogen. Die Leistung derselben er- ­
    regte allgemeine Bewunderung. Ein Wasserstrahl von der Stärke eines Mannes-
    armes reichte bis nahe an den Gibel des neuen Schulhauses, nachdem das
    Wasser vorerst die Strecke von über 100 Meter im Schlauche zurückgelegt
    hatte. Wenn auch die Herstellungskosten dieser Spritze sich höher stellen, als
    wenn eine solche in einer Fabrik bestellt worden wäre, so kann jeder sich der
    vollen Ueberzeugung hingeben, dass dieselbe vorkommenden Falles auch ihren
    Zweck vollständig erfüllen wird.“

  2. Am 23. August 1882 erscheint in den Innsbrucker Nachrichten der Bericht über die feierliche Abholung der Feuerspritze. Darin heißt es:
    „Unter Pöllerschüssen wurde dann die schöne preisgekrönte Spritze wieder in die Gemeinde geführt. Möge sie dort lange ruhen und außer den Proben niemals zur Verwendung kommen.“

    Bereits am 25. August desselben Jahres veröffentlicht die Feurwehr Hötting voll des Lobes eine öffentliche Danksagung in den Innsbrucker Nachrichten:

    „Die neue Fahrspritze aus der Fabrik des Herrn Johann Grassmair in
    Wilten, welche die freiwillige Feuerwehr Hötting im heurigen Frühjahre an- ­
    geschafft hat, wurde bei mehreren Uebungen sowohl in theoretischer als auch
    in praktischer Hinsicht einer strengen Prüfung unterzogen, wobei sich heraus- ­
    stellte, dass der Fabrikant seinen contractlichen Verpflichtungen nicht nur voll ­
    kommen nachgekommen, sondern dieselben noch in vielen Stücken übertroffen
    hat. Die Spritze hat senkrecht stehende, 150 Millimeter weite Cylinder, unge- ­
    mein leicht zugängliche Ventile und Saugwechsel Vorrichtung und zeichnet sich
    überhaupt durch äußerst zweckmäßige Construction, durch elegante, leichte und
    doch solide Bauart vortheilhaft vor manchen anderen Erzeugnissen dieser Art
    aus. Sie erreicht eine Saugdöhe von 7 Meter, liefert per Minute 530 Liter
    Wasser, und mit 16 Mann Druckkraft wurde der Wasserstrahl in horizontaler
    Richtung 40 Meter weit getrieben. Mit Fug und Recht hat daher die Preis-
    jury für Löschgeräthe und Ausrüstungsgegenstände beim Feuerwehrfeste in
    Innsbruck am 18. ds. der Firma Joh. Grassmair für die Herstellung dieser
    Spritze die silberne Medaille zuerkannt. Indem wir nun diese Thatsache freudig
    constatieren, erachten wir es als eine angenehme Pflicht, dem Herrn Joh.
    Grasmair für de Herstellung dieser Maschine unsere volle Anerkennung und
    unseren verbindlichsten Dank öffentlich auszudrücken uud unseren Feuerwehr-
    Kameraden wärmslens zu empfehlen, dass sie sich bei Bedarf solcher Maschinen
    an diese vaterländische Firma wenden mögen.
    Hötting, 25. August 1882.
    Die freiwillige Feuerwehr Hötting.“

    1. Sehr geehrter Herr Auer,

      vielen Dank für diese ergänzenden Hinweise! Eine offene Frage ist bislang noch, wie lange diese Spritze im Dienst stand. Die Aufnahme ist leider undatiert, dürfte aber in den 1930er-Jahren (möglicherweise 1933 im Rahmen des Jubiläums der FF Amras) entstanden sein…

      Beste Grüße,
      Matthias Egger

      1. Ja, das ist eine spannende Frage.

        Laut dem Artikel „60 Jahre Feuerwehr Hötting“ im Tiroler Anzeiger vom 8. Juni 1934 wurde die Grassmayr´sche Feuerspritze mindestens bis 1934 verwendet. Weil das alte Gerätehaus zu klein war, musste für diese Feuerspritze 1883/84 sogar ein neues Spritzenmagazin errichtet werden.

        Der Artikel „60 Jahre Feuerwehr Hötting“ ist auf Grund seiner historischen Details bestimmt von allgemeinem Interesse:
        https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tan&datum=19340608&query=%22h%c3%b6tting+feuerwehr%22~10&ref=anno-search&seite=6

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