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Damals Skandal, Heute Normal: Frauen An Der Universität (Innsbrucks Frauen Teil II)

Damals Skandal, heute normal: Frauen an der Universität (Innsbrucks Frauen Teil II)

Universitäten ohne Frauen mögen heute zwar unvorstellbar sein, waren aber früher das Normalste auf der Welt. Die höhere Bildung war eine reine Männerdomäne, doch im 19. Jahrhundert wollte man diese Ungerechtigkeit nicht länger auf sich sitzen lassen.

Seit 1878 durften Frauen in Österreich als Hospitantinnen an Vorlesungen teilnehmen, allerdings nur mit der Zustimmung der Fakultät und des Dozenten, ein ordentliches Studium blieb ihnen verwehrt. Selbst wenn Frauen die Reifeprüfung absolviert hatten, war diese jedoch nicht gleichwertig mit der Matura der Knaben, da ihnen die Klausel ,,reif zum Besuch einer Hochschule“ verweigert wurde. Diverse Frauenvereine setzten sich gegen diese Ungerechtigkeit ein, sodass man im Unterrichtsministerium schließlich überlegte Frauen doch zum Studium zuzulassen. Dabei ging es aber hauptsächlich um Studien an der medizinischen sowie philosophischen Fakultät.

Durch eine ministerielle Aufforderung gaben jene Fakultäten an der Universität Innsbruck 1896/97 ebenso ihr Votum diesbezüglich ab, wobei man sich nicht wirklich einigen konnte. Während die Philosophen sich grundsätzlich für eine Zulassung von Studentinnen aussprachen, sofern sie über die dafür nötigen Voraussetzungen verfügten, waren die Mediziner stark dagegen, denn Frauen hätten nicht die benötigte physische sowie psychische Eignung für ein solches Studium. Man schien eine potenzielle berufliche Konkurrenz zu befürchten und gewährte den Herrschaften von der Medizin noch vier Jahre Gnadenfrist bis im Jahr 1900 Frauen als ordentliche Hörerinnen zu den medizinischen Studien sowie zum Doktorat der Heilkunde zugelassen wurden. Ein Philosophiestudium konnte von Frauen schon seit 1897 begonnen werden. Allerdings inskribierte sich die erste ordentliche Hörerin erst im Wintersemester 1902/03, ihr Name war Adelheid Schneller und auf unserem Foto sehen wir den Bericht aus den Innsbrucker Nachrichten vom 25.November 1902, in der ihre Immatrikulation feierlich verkündet wird. 1907 promovierte sie als Dr. phil., wobei sie vor allem von weiblichen Zuschauerinnen bei ihrer Abschlussfeier begleitet wurde. Die erste Medizinstudentin erhielt ihre Promotion 1915. 1923 verließ die erste Juristin die rechtswissenschaftliche Fakultät, während die Theologische Fakultät bis nach dem Zweiten Weltkrieg Frauen keinen Zugang gestattete.

(Foto: ÖNB, Innsbrucker Nachrichten, Nr. 272, 1902, S.4)

(TT, Nr. 121, 1970, S.XII)

(Verena Kaiser)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Es gab noch eine zweite Hürde, die in Innsbruck erst in der Mitte der Fünfzigerjahre ausgemerzt worden ist: Der Zugang zum humanistischen Gymnasium.

    Wer damals Medizin und Theologie, möglicherweise auch Jus, studieren wollte, mußte an einer Schule mit Altgriechisch als Unterrichtsfach maturiert haben. Alle Mädchengymnasien boten aber nur Latein an. Also zu den Buben in die Angerzellgasse. Wenn da nicht ein Direktor Auer dagegen gewesen wäre! Erst die Klagsdrohung am VFGH seitens des Univ.Prof. Eugen Thurnher, der seinen drei Mädchen sämtliche Fakultäten offen lassen wollte, brach diese „Tradition“. Das pragmatische Argument (Parallele zur Pissoir Debatte), daß kein Damenklo vorhanden sei, zog als Verfassungsausnahme leider nicht. Muß man halt eines einbauen, begriffen?

    1. Lieber Herr Hirsch,
      vielen Dank für Ihre Anekdote, war sehr interessant zu lesen. Als ehemalige AGI-Absolventin war mir diese Problematik bereits bekannt. Ich glaube mich sogar daran zu erinnern, dass die Großmutter einer meiner Mitschüler eine der ersten Mädchen am besagten Gymnasium war. Bei uns waren allerdings die Jungs in der Unterzahl, die Zeiten ändern sich 😉
      LG

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