Am Rechenhof
Der Rechenhof hat eine lange und landesfürstliche Geschichte: Seit 1363 ist die Existenz des Gebäudes belegt, wie uns die sehr ausführlich recherchierte Chronik auf der Website des Rechenhofes verrät. Von 1363 – 1898 war der Hof im Besitz der Habsburger. Interessant für mich als Gasthaus-Recherchierende wird’s allerdings eher gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Bevor die Familie Speckbacher, die heute noch im Besitz des Hofes ist, in Person von Alois Speckbacher in die Geschichte eintritt (Kauf des Hofes 1902) ist allerdings eine kleine „Lücke“: kurz vor der Jahrhundertwende sei eine Ausschank vom letzten Lehensherr der Habsburger eröffnet worden, aber dessen Namen ist in Vergessenheit geraten.
Sehr spannend also und wir schauen uns das Ganze genauer an: Ganz im Sinne des Zeitgeists, der „Raus in die Natur“ propagiert, finden ab den 1880ern auf jeden Fall Ausflüge dorthin statt, z.B. vom Touristenklub Innsbruck. Böhmischer Schinken und Terlaner Wein werden gepriesen, ausgeschenkt wird offenbar auch „Löwenhausbier“. Im Jahr 1893 verabschiedet sich der Wirt S. Purner, der infolge den Schützenwirt in Thaur übernehmen würde vom Rechenhof. Ob er wohl mit dem besagten „Lehensherr“ gemeint ist? Im Jahr 1902 lesen wir schließlich von einem Franz Kastner, der bis 1902 Pächter des Rechenhofs – auch er wechselt zu einem Schützenwirt, allerdings dem im Volderwald. Rechenhof pachten und dann Schützenwirt kaufen scheint also ein gängiges Karrieremodell gewesen zu sein. Per Zeitung lösen wir das Rätsel leider nicht ganz, wer die Ausschank wirklich gestartet (offiziell) gestartet hat – ein tieferer Gang in Gewerbeakten ist hier wohl vonnöten…
(Stadtarchiv Innsbruck Ph-39971)