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„Aktion Scharf“

„Aktion scharf“

Wir wissen zwar nicht, warum dieser Radfahrer an der Ecke Marktgraben / Innrain von Polizisten angehalten wurde (er selbst wirkt auch etwas ratlos), aber das rasant wachsende Verkehrsaufkommen in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren rief in Innsbruck und Umgebung die Behörden und in weiterer Folge auch Polizei und Gendarmerie auf den Plan. So hat sich im Gemeindearchiv Mühlau ein Rundschreiben der BH Innsbruck an die Gendarmeriepostenkommandos von Hall, Hötting, Mühlau, Seefeld, Telfs und Wattens bzw. die Sicherheitswachen von Hall, Hötting und Telfs erhalten, in dem eine „erhöhte Überwachung der Verkehrsdisziplin“ eingefordert wird. In dem mit 14. April 1930 datierten Schreiben heißt es weiter:

Soweit es der Dienst zulässt, sind ununterbrochen Strassenpatrouillierungen vorzunehmen, Stichproben betreffend der Führerscheine vorzunehmen und ist nun auch bereits mit Abstrafungen und Anzeigen vorzugehen,, wenn Beobachtungen über laxe Einhaltung der Fahrtrichtung [!] gemacht werden. – Je schärfer die Disziplin des Verkehrs desto grösser die Sicherheit der einzelnen Person. Durch ständige Handhabung der Straßenpolizei muss die Einhaltung der Verkehrsvorschriften dem Fahrer, Fuhrmann und Fussgeher [sic] zur Gewohnheit werden.
Auch die Stoppung von Kraftfahrzeugen ist wieder kontrollweise vorzunehmen […]. Sollten 2 Stoppuhren nicht zur Verfügung stehen, so müsste die Stoppung wie seinerzeit vorläufig mit einer Stoppuhr vorgenommen werden.

Wie ein Rundschreiben aus dem August 1930 nahelegt, hatten die verschärften Kontrollen nicht die erwünschte Wirkung gezeigt. Daher erging seitens der BH Innsbruck erneut die Aufforderung an Gendarmerie und Sicherheitswache, die Verkehrsüberwachung zu verstärken.

Die Bezirkshauptmannschaft erwartet, dass durch die intensive Ueberwachung des Strassenverkehrs seitens aller Sicherheitsorgane doch endlich die vielseitigen Klagen verstummen und die mannigfachen Uebertretungen der Strassenpolizeivorschriften eingedämmt werden. Durch ständige intensive – keinesfalls aber kleinliche – Kontrollen wird es möglich sein, allen Kraft- und Radfahrern sowie sonstigen Fuhrwerkslenkern die Ueberzeugung beizubringen, dass die Sicherheitsorgane nun mehr denn je ihr scharfes Augenmerk ihnen zuwenden und erstere somit mehr auf der Hut sein werden, sich einer Uebertretung schuldig zu machen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Gottfried Newesely / Gemeindearchiv Mühlau Krt. 1930/1)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Erinnert mich an die Asterix Szene als fünf leicht derangierte Römer dem Hauptmann meldeten: Zwei Gallier, die sich in der Überzahl befanden…

  2. Also ich hätte da eher eine besorgte Hilfestellung gesehen, nachdem der Radfahrer auf der nassen Straße mit dem Hinterkopf aufgeschlagen ist.
    Wäre die Frage, wo heutzutage die meisten Rad-Unfälle stattfinden: Auf den Gehsteigen oder doch noch auf den Straßen …

  3. Schön, daß Sie es positiv sehen, im Gegensatz zu einer Amtshandlung natürlich, nicht den Sturz selber.

    Aber wer weiß, vielleich auch ein gestelltes Foto. Wer rannte damals schon bei einem solchen Sauwetter mit einer Kamera herum? Andererseits, damals gab es noch keine Fotos in Zeitungen, daß man eine Belehrung der Leserschaft optisch unterstreichen hätte können.

    Oder der Knabe ist zu Sturz gekommen, weil ihn die Amtshandelnden jäh zum Halten gebracht haben, worauf sich in der plötzlichen Stimmungsumkehr die erschrockenen Polizisten um die Gesundheit des Knaben sorgten. Am Ende war das auch noch der Sohnemann eines honorigen Innsbrucker Bürgers! Mit nachfolgender Täter-Opfer Umkehr „Inspektor Schebesta, morgen um 10 Uhr in der Direktion melden!“

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