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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Erinnerung An Die Brennerbahn – Grödner Bahn

Erinnerung an die Brennerbahn – Grödner Bahn

Beim letzten Rätsel wurde die Lösung erfreulich schnell gefunden. Der einsame Schienenstrang, der sich vor der beeindruckenden Dolomitenkulisse ins Tal schlängelte, gehörte natürlich zur Grödner Bahn. Die Aufnahme entstand unweit des Bahnhofs Klausen, wo sich die schmalspurige Lokalbahn von der Brennerbahn verabschiedete und ihren Weg hinauf ins Grödnertal nahm.

Mitten im Ersten Weltkrieg, am 6. Februar 1916, wurde die Grödner Bahn nach einer geradezu unglaublichen Bauzeit von nur viereinhalb Monaten eröffnet. Was heute kaum vorstellbar erscheint, war damals eine militärische Notwendigkeit. Die Bahn entstand als Heeresfeldbahn, um die österreichisch-ungarischen Truppen an der Dolomitenfront möglichst rasch mit Nachschub und Material zu versorgen.

An der Errichtung arbeiteten zeitweise bis zu 10.000 Menschen. Neben rund 500 zivilen Arbeitern und 3.500 Soldaten kamen etwa 6.000 Kriegsgefangene zum Einsatz. Die Trassierung und Bauleitung lagen in den Händen des Ingenieurs Leopold Oerley. Um Zeit zu sparen, wurden viele Brücken zunächst aus Holz errichtet und erst in den folgenden Jahren durch dauerhafte Steinbrücken ersetzt.

Nach Kriegsende wandelte sich die militärische Bahn rasch zu einer wichtigen Lebensader für das Grödnertal. Die 31 Kilometer lange Schmalspurbahn in der sogenannten bosnischen Spurweite von 760 Millimetern verband den Bahnhof Klausen an der Brennerbahn mit St. Ulrich und Plan. Für Einheimische, Handwerker, Händler und nicht zuletzt die ersten Urlaubsgäste wurde sie zu einem attraktiven Verkehrsmittel. Täglich stiegen zahlreiche Reisende in Klausen zwischen der Brennerbahn und der Grödner Bahn um.

Dei Bedeutung der Grödnerbahn nahm nach 1945 strark ab. Die kurvenreiche Streckenführung und die bescheidenen Fahrleistungen machten sie zwar landschaftlich reizvoll, gegenüber dem zunehmenden Straßenverkehr jedoch immer unattraktiver. Mit der wachsenden Verbreitung des Automobils gingen die Fahrgastzahlen stetig zurück, sodass der Betrieb schließlich am 28. Mai 1960 eingestellt wurde.

Ganz verschwunden ist die Grödner Bahn jedoch nicht. Aufmerksame Besucher entdecken entlang des Grödnertals noch heute zahlreiche Relikte der ehemaligen Strecke. Bahnhöfe und Kunstbauten sind noch vereinzelt erhalten, und auch die Trasse ist noch in Teilen nachzuvollziehn.

Auch wenn die Grödner Bahn nie Teil der Brennerbahn war, gehörte sie doch untrennbar zu ihrem Betrieb. Über Jahrzehnte war der Bahnhof Klausen der Umsteigepunkt zwischen der großen Nord-Süd-Achse und der kleinen Bahn ins Grödnertal.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum KR-NE-9553, GoNe-020374)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Der positive Aspekt: Trassenführung en dieser Kriegsbahnen scheinen wirklich gut geplant und durchgeführt gewesen zu sein.
    Eine zweite Bahn in Tirol, die im 1.Weltkrieg errichtet wurde und die jetzt verschwunden ist, war die Auer – Cavalese – Fleimstal-Bahn.

    1. Auf der Suche nach weiteren Daten zu dieser Bahn hat mich das Internet mit einigen Gscheideleien angefüttert. Eine davon war die Behauptung (kann schon so stimmen), dass die Grödnerbahn jahrelang vorher schon geplant und das ganze Bahnprojekt auf dem Papier fix und fertig war, ohne dass was weiterging. Erst der Krieg hat den Bau dann beginnen lassen. Als die Front immer mehr in Richtung Süden verlagert wurde, war die Endstation dann zu weit weg und die Bahn militärish schon wieder bedeutungslos.

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