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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Map Stories: #undmorgendieganzewelt

Map Stories: #undmorgendieganzewelt

Wenn Diktatoren träumen… kommt in der Regel nichts Gutes dabei heraus. So erging es dem Hitler Adolf und seinen Jüngern, als sich im Laufe des ersten Kriegsjahres 1939/1940 militärische Erfolge einstellten und ein guter Stratege wie der böhmische Gefreite natürlich schon an den Tag nach dem Endsieg dachte. Ein oft übersehenes Kapitel der Planung waren, neben vielen Dingen die vor Ort und realistisch angegangen wurden (wie zum Beispiel die völlige Umgestaltung Innsbrucks in ein Führer-Wolkenkuckucks-Heim) auch gänzlich herbei-phantasierte Projekte, die eher dem übermäßigen Lesen von Karl-May-Romanen geschuldet schienen denn einer halbwegs realistischen Sicht „auf die Welt“.


Die kleine Innsbrucker Sparkasse konnte da nicht ruhig zusehen und verschickte eine Weltkarte an ihre Kunden, um sie zu motivieren, eine proaktive Rolle im Kolonialwesen einzunehmen. Vier Länder wurden separat vorgestellt, die bereits mit dem mit dem Deutschen Imperialismus in Afrika, die ja etwas zu spät gekommen waren beim globalen Landraub, zu tun gehabt hatten. Dazu noch zwei Textchen mit allgemeinen Tipps für den Investor.


Als späte Revanche am Friedensvertrag 1919, bei dem den unterlegenen Kriegsparteien die Latifundien in Afrika abgenommen wurden, musst besagter Hitler natürlich auch hier zum großen Gegenschlag ausholen. Das Ziel war dabei nicht die „Rückgewinnung“ der „eigenen“ Besitzstände sondern nach dem Sieg über Frankreich und England gleich das ganze Geschäft zu übernehmen. Das natürlich mit Gewalt, militärisch wie polizeilich. Schon ab Sommer 1939 hielten die SS-Schulen in Berlin erste Tropen-Kurse für ihre Kult-Mitglieder ab, um dann gut vorbereitet in die Ausbeutung und Unterjochung Afrikas einsteigen zu können.


Die Weltkarte der Sparkasse Innsbruck (die man besser interaktiv herbeizoomen kann) zeigt Europa mitten im Krieg, Polen ist schon aufgeteilt zwischen der UDSSR und NS-Deutschland. Afrika ist recht genau herausgearbeitet, was darauf schließen lässt, dass das eine zentral initiierte Aktion war und das Material von der staatlichen Propaganda zur Verfügung gestellt.

Der Spuk war bekanntlich nur von kurzer Dauer, die 1000jährige Neu-Kolonisierung bleib uns Innsbrucker Kund:innen der Städtischen Sparkasse und dem Deutschen Volke erspart. Schon gut zwei Jahre später nach dem Überfall auf die Sowjetunion und die wilden Kriegsschauplätze in Afrika machten den vorausschauenden Strategen klar, dass das alles auch ganz anders ausgehen könnte und zum Glück dann auch tat.

(Sammlung Markus Wilhelm)

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