Erinnerung an die Brennerbahn – Tunnel durch den Berg Isel
Wenn heute von der Brennerbahnstrecke mit ihren zahlreichen Tunneln die Rede ist, denken die meisten wohl zuerst an das große Jahrhundertprojekt unserer Zeit, den Brennerbasistunnel. Doch schon der Bau der ursprünglichen Brennerbahn stellte die Ingenieure des 19. Jahrhunderts vor enorme Herausforderungen. Allein bis zum Brenner mussten insgesamt 14 Tunnel mit einer Gesamtlänge von rund 3,6 Kilometern errichtet werden.
Der erste dieser Tunnel liegt unmittelbar südlich von Innsbruck, der Bergisel-Tunnel. Mit einer Länge von etwa 662 Metern ist er zugleich der zweitlängste Tunnel auf dem Weg zum Brenner.

Ein Foto aus unserer Sammlung zeigt die Baustelle des Nordportals in den Jahren 1864/65. Trotz der eher bescheidenen Bildqualität lässt sich die gewaltige Dimension der Arbeiten gut erahnen, und die Mühen und technischen Herausforderungen des damaligen Tunnelbaus werden förmlich spürbar.
Der Tunnel wurde von den Innsbruckern damals sehr bewundert, da er das erste derartige Bauwerk in der Umgebung war. Dementsprechend entwickelte sich der Tunnel zu einem beliebten Motiv für Fotografien, Zeichnungen und Postkarten. Auch als eindrucksvolle Kulisse für inszenierte Aufnahmen wurde das Portal gerne genutzt.

So ließ sich 1914 eine Abteilung der k.k. Landsturm-Eisenbahnsicherung Innsbruck gleich für mehrere Fotografien davor ablichten, dramatisch in Szene gesetzt, mit gezückten Gewehren.
Auch die Abbildung aus dem Erinnerungsalbum auf unserem Titelbild ist erstaunlich detailgetreu wiedergegeben, wie der Vergleich mit einer Fotografie zeigt. Selbst die umliegenden Gebäude sind gut zu erkennen. Nur ein Bauwerk fehlt auf dem Hügel oberhalb des Tunnels. Doch aufmerksame Leser*innen wissen vermutlich längst, was dort heute steht und warum es auf der historischen Darstellung noch nicht zu sehen ist, oder?

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-A-24611-04, Ph-28731, Ph-23638, Ph-7790)