Bruder Luc und Schwester Marie
Das eindrückliche Bild eines Mannes in Ordenstracht ist in Rennes entstanden. Es zeigt den Innsbrucker Rechtsanwalt Franz Heller, der in der NS-Zeit mit seiner Frau Linda geb. Porges nach Frankreich geflohen ist. Beiden gelang es wegen bereits lange bestehender Verbindungen in französischen Klöstern versteckt unter den Decknamen Bruder Luc und Schwester Marie die NS-Zeit zu überleben. Sie hatten 1909 in der Pfarre Wilten katholisch geheiratet, galten aber ab 1938 nach den Nürnberger Rassengesetzen als „Volljuden“. Franz Heller wurde aktiv von der Gestapo gesucht – aber nicht gefunden. Im Herbst 1945 schickte Franz Heller dieses Foto nach Rum bei Innsbruck mit der Bemerkung auf der Rückseite „In alter herzlicher Freundschaft der lieben Familie Klee – Lilli und Franz Heller. Rennes, 14. Oktober 1945.“
Die Geschichte ist abenteuerlich und Stoff für einen Roman. Das einige Kind der beiden, Maria Magdalena, 1914 in Wilten geboren und getauft, ging 1938 als von der Uni Innsbruck aus rassischen Gründen entlassene Studentin zunächst nach Wien und trat dort ebenfalls in ein Kloster ein. Sie wurde von ihrer Gemeinschaft rasch nach England in Sicherheit gebracht, wo sie den Rest ihres Lebens im Kloster als katholische Nonne verblieb. Franz und Lilli, die als Ehepaar nicht gut in Klöstern miteinander leben konnten, kehrten in den 1950er-Jahren nach Innsbruck zurück; Franz eröffnete hier als 65.jähriger noch einmal seine Anwaltskanzlei.
Der französische Journalist Dominique Delaunay recherchiert die Geschichte der Hellers seit vielen Jahren in allen Details, hoffentlich bringt er bald ein Buch dazu heraus. Die mutigen Äbte der nordfranzösischen Klöster wurden mit hohen Ehren ausgezeichnet; auch Franz Heller galt als Widerstandskämpfer und ist als vermutlich einziger Innsbrucker Anwalt Namenspatron einer Straße in Frankreich – im schönen Rennes.
