Nachkriegszeit hautnah
Eigentlich ein recht positives Foto. Eifrige Bauarbeiten arbeiten der Schalung eines Neubaus. Möglicherweise ein Bombentreffer, der hier ersetzt wird. Vielleicht befinden wir uns schon einige Jahre nach Kriegsende, weil hier mit Beton gearbeitet wird, aber keine Ziegelberge zu sehen sind. Ui, da habe ich mich tief in das Metier vom Herrn Roilo gewagt…
Wie es sich gehört schauen einige interessierte Männer fachkundig zu. (Nicht fachkundige Männer schauen interessiert zu…) Was die Faszination einer Baustelle wirklich ausmacht, kann vermutlich niemand sagen. Man sieht ja eigentlich nicht viel. Nicht einmal Maschinen. Ganz fesch im Vordergrund ein Radfahrer mit einer Regenpelerine.
Am Bauzaun sind ÖVP-Plakate zu sehen. In den Jahren nach Kriegsende war das Schicksal der aus der Gefangenschaft Heimkehrenden eines der zentralen politischen Themen. Immerhin betraf das auch einen Großteil der Familien. Entweder die ehemaligen Soldaten oder die Hinterbliebenen. Daneben ein Plakat der Exl-Bühne in ihrer späten Phase. Die Zeit dieser Theaterform war vorbei. Vielleicht haben auch manche Besucher nicht vergessen, dass das Ensemble zur Belustigung von KZ-Wachmannschaften auftrat. Und dann war noch die Gottbegnadeten-Liste. Aber das führt von diesem Foto weg.
Interessant ist – nicht zuletzt für die Datierung – die Straßenzeile im Hintergrund. Wir erahnen eine „Boucherie Parisienne“ und einen „Comptoir des …“. Und die Firma „Modellhüte Kutschera“. Und die Firma „Füllhalter Redlich“. Und die Firma „Bie….“.
Und so nebenbei: Wo befinden wir uns?
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck Kr/Ne-3229)