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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Lustaufnahme II

Lustaufnahme II

Am selben Tag, dem 8. Juni 1974 (so datiert Herr Hirsch das erste Foto im Forum mit guten Argumenten) ist auch die zweite Lustaufnahme der Landeshauptstadt Innsbruck entstanden. Ob ein paar Sekunden vorher oder nachher ist nicht so wichtig, vielleicht könnte man das an den sich brav stauenden Autos am Südring sogar nachmessen. Das Luftschiff ist nun ein paar hundert Meter nach Osten gerückt und der Fotooperateur hält die Kamera ein wenig nach Westen gedreht – Hungerburg raus, Sadrach rein – auf die selbe samstägliche Leistungsschau der Moderne.

Zu dieser Zeit erwachte im Autor dieses Beitrags erstes selbständiges Denken. Die täglichen Anforderungen an den 5-jährigen Knirps im Pfarrkindergarten Hötting und beim nachmittäglichen Freizeitverhalten im auf diesem Bild sehr schön zu sehenden Kohlweg (damals noch Schneeburggasse 54 a bis m) schlossen natürlich auch das fachmännische Errichten von Sandburgen in diversen dafür vorgesehen Kisten, das wirtschaftliche Tauschen von fein gesiebtem Sand im Verhältnis 3:1 gegen feuchte unseltene Erden und die tägliche Rauferei mit meinem besten Freund Robert Schiller ein. Gelegentlich für fünf Minuten Ranggeln und zehn Minuten Ecke stehen mit hochroten Köpfen (dies nur wenn Pädagoginnen anwesend waren) unterbrochen, gab es danach ausnahmslos wie kommentarlos eine Versöhnung per kurzem Handzeichen, die ein vernünftiges Fortsetzen des Tagesprogramms mit Fußball und Völkerball ermöglichte.

Es wäre übertrieben zu sagen, ich hätte mich damals schon für Architektur interessiert. Vielleicht rückdatiert im eigenen Langzeitgedächtnis aber sehr gut abgespeichert, und in diesem seltenen Fall würde ich es in Punkto Schärfe der Erinnerungen sogar mit Frau Stepanek aufnehmen, sind die Diskussionen in der Großfamilie und im erweiterten Bekanntenkreis der Eltern, wenn es um zentrumsnahen Ortsbildschutz und die vermeintlichen Gräuel der Verwüstung der zeitgenössischen Architektur ging. Jede und jeder nahm sein staatsbürgerliches Recht wahr, den Untergang des Abendlandes nahen zu sehen, wenn ein Holiday Inn oder ein Landesgericht die Silhouette Innsbrucks in einem derartigen Ausmaß zu verändern drohten, dass bald niemand mehr hier wohnen würde wollen geschweige denn als Tourist zu uns kommen. Ausnahmen wurden nur für Autobahnabfahrten und Klinikneubauten gemacht und für entfernte Regionen im Westen (hier recht schön im Vollzoom zu sehen) und Osten der Stadt, wo man als Dorf-Höttinger ohnehin selten hinkam und außerdem andere Ansprüche an die ewig gültige Erhaltungswürdigkeit eines abgerissenen Gefängnisses oder einer überbauten Gstätten galten.

Vielleicht hätten meine Verwandten öfter im Vermessungsflugzeug mitreisen sollen. Irgendwie ist der Architekturtand aus Menschenhand angesichts der majestätischen Nordkette immer nur die halbe Aufregung wert. Andererseits sieht man die Problematik des wenigen verfügbaren Raumes von oben sehr gut und würde hier gern den Frachtenbahnhof in ein Sportleistungszentrum für damals erstklassige Fussballvereine oder gar in Wohnraum verwandeln.

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