Richard Steidle (XXIV.)
Im vorletzten Artikel wurde die Kontroverse rund um Steidles Stabschef Waldemar Pabst bereits erwähnt. Die Innsbrucker Nachrichten hatten damals alle Vorwürfe, dass Pabst weiterhin Kontakte zu alten Kameraden in der Deutschen Republik hätte, dementiert. Die großen Hindenburgfeiern, die anlässlich des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls a.D. am 2. Oktober 1927 stattfanden, zeigten aber erneut, wie eng die Kontakte zwischen den rechts-nationalen Kreisen beider Länder waren.
Hindenburg war seit der Schlacht bei Tannenberg eine Ikone. Im Zuge der auf Hochtouren laufenden Propagandamaschinerie während des Krieges wurde sein Gesicht auf alles gedruckt: Postkarten, Kaffeetassen, Feuerzeuge, Servietten – nichts war vor seinem prominenten Schnauzbart sicher. Auch ins Stadtarchiv haben es haben es zahlreiche Postkarten mit seinem Bildnis geschafft.

In allen Landeshauptstädten wurden Feiern abgehalten, Klagenfurt wurde von einem Fackelzug erhellt, rund um Graz leuchteten Höhenfeuer auf den Hügeln. Zu den Feierlichkeiten in Innsbruck waren nicht nur alle Mitglieder des Bundes der Reichsdeutschen in Tirol anwesend, sondern auch der Deutsche Botschafter, der Tiroler Landeshauptmann Stumpf, der Innsbrucker Bürgermeister Eder, sowie der Vizebürgermeister Fischer mitsamt der ganzen Prominenz des Landes. Auch Bundesrat Steidle war natürlich dabei. Die „illustre Versammlung“ wurde im Musikvereinssaal abgehalten. Geschmückt war die Bühne in „alten und neuen Reichsfarben“, also schwarz-weiß-rot und schwarz-rot-gold, in ihrer Mitte prangte ein übergroßes Portrait Hindenburgs umrankt von Tannengrün und flankiert von zwei Obelisken, auf denen Adler ihre Schwingen ausbreiteten.
Eine persönliche Randnotiz: Ist es nicht kurios zu sehen, wie anders das Verhältnis zu Politik und zu politischen Figuren damals war? Haben Sie etwas vom 70. Geburtstag von Frank-Walter Steinmeier zu Beginn dieses Monats mitbekommen? Oder können Sie sich vorstellen, dass um die Landeshauptstädte Österreichs zu diesem Anlass Höhenfeuer den Nachthimmel erhellen? Und sein Portrait umgeben von Tannengrün, Obelisken und Fahnen vom Innsbrucker Bürgermeister gegrüßt wird?
Die Lobpreisungen wurden natürlich nicht allgemein geteilt. Die Sozialdemokraten standen Hindenburg deutlich kritischer gegenüber. Während die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten finalisiert wurden, veröffentlichte Der Abend am 1. Oktober einen Leitartikel unter dem Titel „Die Hindenburg-Republik“:
Der Abbau der deutschen republikanischen Einrichtungen schreitet unentwegt fort. Morgen wird Hindenburg 80 Jahre alt und die Vorbereitungen gleichen auf ein Haar den früher „zu Kaisers Geburtstag“ üblichen.
(Signatur sommer_15_51)
Ich seh rst bloß die Überschrift – Richard Steidle – und dann das Bild – und denke „Wieso schaut der aus wie der alte Hindenburg?“
– und, siehe da – er ist es eh. Wohlbekannt on Briefmarken auf alten Postkarten und so.
Und auch vom Hindenburgplatz.
O mei, o mei!