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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Der Bau Der Nordtiroler Eisenbahn – Der Einzige Tunnel

Der Bau der Nordtiroler Eisenbahn – Der einzige Tunnel

Nachdem wir im letzten Beitrag der Serie zum Bau der Nordtiroler Eisenbahn die Station Brixlegg passiert haben, führt der heutige Beitrag weiter nach Rattenberg. Die Lithografie im Erinnerungsalbum stellt dabei weniger das kleine Städtchen als vielmehr den Tunnel in den Mittelpunkt, der als einziger „echter“ Tunnel der Unterinntalbahn eine besondere Stellung einnimmt.

Der Weg wird im Album recht unspektakulär wie folgt beschrieben:

Unterhalb der Station Brixlegg ist für die Bahnanlage die Felsenwand des Rattenberger Stadtberges abgegränzt, sie zieht dann mittelst eines Tunnels unter dem Schlossberge und hinter der Stadt Rattenberg durch, überschreitet unmittelbar am Ende des Tunnels die Stadtgasse...“

Deutlich mehr Raum wird im Album dem Bau des Tunnels selbst eingeräumt, der zugleich eine spannende Schilderung der Arbeitsweise des 19. Jahrhunderts bietet:

Eine kurze Strecke unterhalb der Station Brixlegg musste die vortretende Felsenwand auf eine Höhe von 6 bis 12 Klafter abgesprengt werden, um den für die Bahn nöthigen Raum zu gewinnen. Hierauf zieht diese auf der Flussseite, durch eine Stützmauer von der tiefer liegenden Strasse getrennt, gegen jenen Felsenvorsprung des Stadtberges, auf welchem die Ruinen der alten Veste Rattenberg stehen, durchbricht mittelst eines 96 Klafter langen Tunnels den Felsen in gerader Linie und läuft nach dem Austritte aus dem Tunnel, durch den rückwärts gelegenen Theil der Stadt Rattenberg. Der Tunnel ist durchgehends aus dem aus Kalk-, mitunter auch Schiefergestein bestehenden Felsen gesprengt und mit Quadern eingewölbt, da die ungünstige Schichtung des zum Theile lockern und mürben und zum Theile stark zerklüfteten Gesteines diese solide Bauart erheischte. Je nach den mehr oder minder günstigen Verhältnissen der Gesteinlagerung beträgt die Stärke des Quadergewölbes theils 21 theils 30 Zoll. Der südwestliche Tunneleinschnitt wurde im Monate November 1854, der nordwestliche im Monate Juni 1855, der eigentliche Tunnel an ersterem Ende im Monate November 1855 und an letzterem im Monate März 1856 in Bauangriff genommen und am 21. März 1857 gänzlich durchgebrochen. Die Wölbungen konnten im März 1858 geschlossen werden. Der sehr bedeutende Druck des lockeren Gesteines in der ersten 12 Klafter Länge am südwestlichen Eingange erforderte beim Baue die grösste Vorsicht; doch gelang es, diese Arbeiten ohne einen Unfall zu Stande zu bringen.

Bemerkenswert ist an diesem Bild, wie wenig Platz damals noch zwischen Inn und Bahnanlagen vorhanden war. Heutzutage parken vermutlich die meisten Besucher im ehemaligen Flussbett des Inns.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Bi-g-1747)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Das ist sehr beeindruckend. Eine „Klafter“–Umrechnung wäre für mich hilfreich, denn diesbezüglich bin ich wirklich überfordert.
    Interessant auch die Erwähnung der Innverlegung hier bei Rattenberg.
    Ja, da würde ich mir Beiträge bezüglich des Inns und seiner diversen Verlegungen wünschen…. und der jeweiligen Begründungen dafür. Na ja, so viele können es doch seit der ersten Innstromkarte nicht gewesen sein, oder?

    1. Wikipedia weiß zum Wiener Klafter: „Mit Gesetz vom 23. Juli 1871 wurde das metrische System in Österreich mit Wirkung ab 1. Jänner 1876 verbindlich eingeführt und das Klafter auf genau 1,89648384 m festgesetzt.“
      Ob man tatsächlich immer mit 8 Kommastellen umrechnete? Die im Beitrag genannte Länge von 96 Klaftern wäre demnach 182,06244864 Meter, mit 3 Kommastellen kommt man auf 182,016 Meter.

      Die Beschreibung der Bahnstrecke Kufstein – Innsbruck (Unterinntalbahn) gibt 182 Meter für die Länge des Rattenbergtunnels an: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Kufstein%E2%80%93Innsbruck

      Und die ÖBB weisen daraufhin, dass im Bahntunnel bei Rattenberg 2026 Erneuerungsarbeiten erforderlich sind und deshalb vom 3. bis 7. April eine Streckensperre geplant ist: https://presse-oebb.at/news-oebb-setzen-2026-gezielt-auf-modernisierung-der-infrastruktur?id=228292&menueid=27021&l=deutsch

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