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Zur Entstehung Der Museumstraße – Teil I

Zur Entstehung der Museumstraße – Teil I

Einen Blick zurück in die 1840er-Jahre ermöglichen die Aufzeichnungen von Franz Xaver Freiherr Matz von Spiegelfeld (1802-1885), den seine Laufbahn im Verwaltungsdienst der Habsburgermonarchie wiederholt nach Tirol bzw. Innsbruck geführt hatte. Unser Titelfoto stammt aus den 1860er-Jahren, wo er zunächst als Landeshauptmann von Salzburg und sodann als Statthalter im Erzherzogtum Ob der Enns wirkte.

Von 1839 bis 1848 arbeitete er als Gubernialsekretär im sogenannten Baureferat des k.k. Guberniums in Innsbruck und über diese Zeit hatte er Erinnerungen verfasst, die auf Veranlassung seines Sohnes Markus Spiegelfeld (von 1906/07 bis 1913 k.k. Statthalter in Tirol und Vorarlberg) auszugsweise in den Innsbrucker Nachrichten am 26. März 1910 abgedruckt wurden. Diese eröffnen einen neuen Blick auf die Entstehung der Museumstraße und werden hier in zwei Teilen veröffentlicht:

„Dort, wo jetzt das schöne, neue Stadtviertel bei der Angerzell gegen die Eisenbahn mit mehr als 100 Häusern sich ausdehnt, das Innsbruck nun zu einer der bestgebauten Städte macht und an Eleganz und Zweckmäßigkeit viele große Städte übertrifft, war anfangs der 1840er Jahre noch eine große Wiese, die zu dem früheren Pfeifersberg-, dann Fischnalerischen nunmehr Graf-Kuen-Hause gehörte. Dem damaligen Besitzer Fischnaler war es darum zu tun, diese Wiese zu verwerten und daraus Bauplätze zu machen. In dieser Sache interessierte sich auch sehr Dr. Widner in Vertretung der damals schon bestandenen Spinnfabrik. Das größte Hindernis diesfalls bildete aber der zwar derbe, aber energische und fachkundige Magistratsrat [Georg] Erler, der durch die mit vieler Kraft durchgeführte Kanalisierung der Stadt sich zwar viele Verdienste erworben, aber umsomehr Widersacher verschafft hatte. Namentliche war Erler bei dem Gubernium sehr schlecht angeschrieben und verhaßt, ja es kam so weit, daß unter dem Gubernium Graf Wilczek Erler einstmalen in die Gubernialsitzung gerufen und ihm in öffentlicher Sitzung ein Verweis erteilt und ein etwas derber, von ihm verfaßter Bericht zerrissen und vor die Füße geworfen wurde. Unter diesen Umständen war wohl nicht zu erwarten, daß die von Erler beantragte Stadterweiterung bei dem Gubernium, das damals mit rücksichtsloser Strenge die Gemeinden überwachte und jeden Keim der Autonomie der Stadt unterdrückte, je die Bewilligung der Statthalterei erhalten würde. Dieses sah ich sehr wohl ein und so wurde diese ganze Stadterweiterungs-Angelegenheit von mir mit Dr. Widner und Erler ins Reine gebracht, und es wurde der erste Plan verfaßt, wonach die neue Hauptstraße vom Franziskanergraben mittelst Durchbruch eines Stückes des Franziskanergartens in gerader Richtung und großer Breite, so wie sie jetzt besteht, gegen die Spinnfabrik zu, neu eröffnet werden sollte. Fischnaler hatte sich zu billigem Verkaufe der Gründe herbeigelassen, kurz Alles wurde von uns dreien ganz im Geheimen festgesetzt, und es handelte sich nur mehr, zum Beginn der Arbeit die Gubernialgenehmigung zu erhalten. Es wurde demnach von uns beschlossen, abzuwarten, bis Gubernialrat Danler, der das Baureferat führte, dessen Vertreter ich in seiner Abwesenheit war, abwesend sein werde.“

Was aus diesem von Spiegelfeld, Erler und Widner unter größter Geheimhaltung vorbereiteten Plan wurde, lesen Sie im zweiten Teil …

(Stadtarchiv / Stadtmuseum Innsbruck, Ph-A-24589)

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