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Wenn Du Mich Hier Hinstellst…

Wenn Du mich hier hinstellst…

… weiß ich auch nicht genau wo ich bin. Dieser Satz ist wohl jeder Stadtflaneurin und jedem Häuserschluchtenexperten schon einmal ausgekommen, wenn sich so wenig Bekanntes im Blickfeld befunden hat.

Hier werden die Bildbetrachtenden natürlich von der Innsbrucker Gewohnheit „gelegt“, dass man ja nur schauen müsse wo im Bild die Nordkette sei. Die wilden Zacken am oberen Bildrand sind allerdings den Jahren seit dem Printout der Fotografie geschuldet, nicht der Geografie. Dabei ist es, so bald man es weiß, eh ganz einfach:

Der Fotograf hat seine Kamera beim Besuch der Leopoldstraße 1905 nach Süden gedreht. Die Häuser stehen praktisch gleich da wie sie es heute noch tun. Gewechselt haben die Betriebe. Von links nach rechts erkennen wir einen der 72 Friseure der Stadt auf Leopold Nummer 9: Es ist Mathias Ponner, der mit seiner Frau Anna und der 3jährigen Tochter auch im Haus darüber wohnt. Schon zwei Jahre nach der Aufnahme wird der Betrieb geschlossen und Anna Ponner im Adressbuch allein und als Friseurswitwe geführt. Bei Nachschau im Zeitungsportal Anno erfährt man mehr von der komplizierten Geschichte dahinter, als man eigentlich wissen wollte (auch ein stadtbekannter Fotograf aus der Heilig-Geist-Straße ist involviert).

Ein Haus weiter steht die Rosenkranzfabrik des Gregor Fischer, der hier seine Devotionalienhandlung „en gros“ betriebt. An der dem Fotografen gegenüberliegenden Ecke liegt wie heute ein Kaffeehaus, es ist das Café Konrad des Alois Konrad, der im Adressbuch als „Kafetier und Schriftsteller“ verzeichnet ist. Er schrieb patriotische Gedichte und hat um die Jahrhundertwende auch deutschnationale Zeitungen wie die „Tiroler Wochenpost“ herausgegeben.

Weiter im Schilderwald: Zunächst das Wirtshaus „Zum Stern“ des Andrä Hueber auf Leopoldstraße Nummer 16; hier trafen sich die Mitglieder der christlich-sozialen Partei zu Versammlungen und gelegentlich kam das Gasthaus auch wegen Raufereien zwischen „Deutschen“ und „Walschen“ in die Zeitung. Gerade in den ersten Jahren nach 1900 waren diese beiden Tiroler Bevölkerungsgruppen auf striktem Konfrontationskurs.

Davor der Hinweis auf die Buchdruckerei des Rudolf Zech. Dieser war auch selbst verlegerisch tätig und brachte seit 1894 die vermutlich unpolitische Zeitschrift „Tiroler Radsport“ heraus.

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