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„Nun Gibt Es Keine Kartoffeln Mehr …“

„Nun gibt es keine Kartoffeln mehr …“

September 1918. Die Mittelmächte sind erschöpft, die Habsburgermonarchie befindet sich am Rande des militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruchs. Am 2. September notiert Oberst Karl Schneller, Generalstabschef des k.u.k. XIV. Korps, in sein Tagebuch:

„In Trient eine Besprechung der Intendanten, bei welcher die materielle Lage der Monarchie als ganz trostlos geschildert wird. Besonders steht die Herabsetzung der Fleischgebühr bei der Armee im Felde auf 15 dkg am Tag bevor.“

Hatte sich schon die Versorgungslage der österreichisch-ungarischen Soldaten an den Fronten in den vergangenen Wochen und Monaten dramatisch verschlechtert, so war der Mangel an der sogenannten Heimatfront katastrophal. Verzweifelt notiert eine Frau aus Hötting:

„Nun gibt es keine Kartoffeln mehr, was wollen wir nun essen, wir hatten alle Tage nichts anderes. Man gibt uns Mehl, schwarzes modriges, aber es wird gespeist. Was ich davon koche, kann ich nicht aufschreiben. Das sind namenlose Dinge, die wie Blei im Magen liegen.“

An der katastrophalen Versorgungslage änderte auch der Waffenstillstand vom 3./4. November 1918 nichts. Der Krieg ging, der Hunger blieb: „Der Krieg ist wohl fertig, aber die Kriegskost dauert an. Die Schweiz gibt uns weißes Mehl. Obst schicken die Italiener, aber die Preise! Und wir müssen kaufen.“

Notizen einer Höttingerin aus den Jahren 1918/19, zur Verfügung gestellt von Josef Schönegger.

Tatsächlich unterstützten neutrale Staaten, wie die Schweiz oder Dänemark, aber auch Hilfsorganisationen aus den USA, die 1. Republik in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit Hilfslieferungen und Fürsorgeaktionen. Die Versorgungslage besserte sich aber dennoch nur langsam …

Amerikanische Kinderausspeisung in Innsbruck nach dem Ersten Weltkrieg.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-876 / Ph-25353)

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