skip to Main Content
#bilderschauen --- #geschichtenlesen --- #gernauchwiederimarchiv
Legendär II: Bocksiedlung – Brand Und Ende

Legendär II: Bocksiedlung – Brand und Ende

Am 17. Juni 1963 wurde die Bocksiedlung von einem verheerenden Brand heimgesucht. Im Zentrum des Brandes stand offenbar das Wohnhaus der Familie Bock selbst. Laut Zeitungsberichten brannten fünf Häuser nieder, wodurch 17 Menschen obdachlos wurden. Die Tiroler Tageszeitung berichtete:

„Gestern um 19.52 Uhr wurde die Innsbrucker Berufsfeuerwehr alarmiert. In der Reichenauer Bocksiedlung schlugen Flammen aus einem Haus. In wenigen Sekunden griff das Feuer auf die umliegenden Baracken, die ineinander verschachtelt, mit dem aufgestapelten Gerümpel dem Feuer reich Nahrung gaben. Trotzdem die Feuerwehr mit allen verfügbaren Kräften ausrückte, griff das Feuer doch auf die fünf Objekte über, die restlos niederbrannten. […] Es war ein grauenvolles Bild: Lichterloh brennende Häuser, die engen Wege vom Hausrat der vom Feuer direkt betroffenen verstopft, dazwischen weinende Frauen und schreiende Kinder.“

Schaulustige beim Brand der Bocksiedlung. Dass nicht die gesamte Bocksiedlung durch den Brand zerstört wurde war laut Zeitungen der Windstille an diesem Tag zu verdanken.

Der Brand der Bocksiedlung war sozusagen der Anfang vom Ende: die Feuerwehr hatte die Siedlung zwar vor dem Untergang gerettet, doch der eigentliche Untergang begann erst. Bereits Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre soll Alois Lugger mit Johann Bock über den Abriss der Siedlung verhandelt haben. Kurz nach dem Brand wurden die von der Stadt forcierten Abbruchpläne auch der Öffentlichkeit bekannt. Es waren einige größere Bauvorhaben geplant: den größeren Teil des freigewordenen Grundes sollte die „Neue Heimat“, einen kleineren Teil die „Alpenländische Wohnstätte“ verbauen. Unter anderem wurden die sogenannten „Sternhochhäuser“ in der Andechsstraße auf ehemaligen Bocksiedlungs-Gebiet errichtet. Spätestens ab dem Jahr 1967 wurden die Bewohner der Bocksiedlung aufgefordert, ihre Wohnstätten aufgeben. Viele von ihnen kamen der Aufforderung der Stadt, die Gebäude selbst abzureißen, nicht nach.

Im Dezember 1967 legte die Berufsfeuerwehr daher gezielt Feuer in bereits leerstehenden Gebäuden der Bocksiedlung und konnte diese damit gleichzeitig zu Übungszwecken nutzen:

Die Stadt versprach den Bewohnern als Kompensation, Wohnungen zur Verfügung zu stellen bzw. eine Abfertigung zu zahlen. Viele der Bewohner wehrten sich trotzdem lange dagegen und so zog sich der Abbruch in die Länge. Die letzten Häuser wurden erst in den frühen 1970er Jahren abgerissen.

Ein beeindruckender Kontrast: Das ehemalige Haus der Familie Giuliani, auch bekannt als „Wolkenkratzer“ kurz vor dem Abriss im Jahr 1972. Es sieht beinahe so aus, als würde das einst höchste Haus der Bocksiedlung von den Wohnblöcken geradezu aufgefressen.

(Brand 1963: Stadtarchiv Innsbruck, Ph-A-24664-73 und -74. Provenienz: Helene Nogler; gelegter Brand 1967: Archiv der Feuerwehr Innsbruck, Fotosammlung der Berufsfeuerwehr Innsbruck. Foto vom Abbruch: Stadtarchiv Innsbruck Ph-A-24296-364.)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. An den verheerenden Brand im Juni 1963 kann ich mich als damals 11jähriger noch gut erinnern. Mir taten die Menschen leid, die das wenige das sie hatten, durch den Brand verloren. Ich kannte einige etwa Gleichaltrige aus der Siedlung, zwar nicht immer beim Namen.
    Bei den Geschichten die über die Menschen der Siedlung erzählt wurden, stimmte vieles nicht. Wenn man ihnen normal begegnete,
    gab es überhaupt keine Probleme.
    Wenn bei uns im Geviert Kärntner Straße-Pradler Saggen der Rasen gemäht wurde, kamen zwei fesche junge Mädchen(Schwestern),
    mit langen schwarzen Haaren, es waren Töchter der Fam. Bock, mit dem Pferdefuhrwerk und sammelten das geschnittene Gras auf.
    Die zwei jungen Frauen waren sehr fleißig und bei den Anwohnern äußerst beliebt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top
×Close search
Suche