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Inngeräusche? Mit Den Augen Des Unbekannten Fotografen XXV

Inngeräusche? Mit den Augen des unbekannten Fotografen XXV

Ob man von hier aus je Inngeräusche gehört hat? Heute hört man wohl allenfalls Inn-talautobahn-geräusche. Und selbst wenn es an dieser Stelle noch viel Grün gibt, hört man viel städtischen und verkehrstechnischen Lärm. Vor 100 Jahren dürfte nicht nur der Anblick sondern auch die Geräuschkulisse noch deutlich mehr von Natur- und Landwirtschaft geprägt gewesen sein.

Eigentlich hat das titelgebende Wort ohnehin nichts mit dem Hören, sondern vielmehr mit dem Sehen, Be-Greifen und Besitzen zu tun: „leer und ohne Inngeräusch“ – also ohne Inneneinrichtung – erwarb nämlich die Gemeinde Arzl 1788 das Gebäude, das zwei Jahre zuvor im Zuge der Josephinischen Reformen säkularisiert und geschlossen worden war. Teile der Geräte, Einrichtung und Glocken waren bereits anderen Seelsorgestellen zugeteilt worden. Weitere zwei Jahre später verstarb Josef II. bereits und die Gemeinde bemühte sich erfolgreich um die Wiedereröffnung der Kirche und Retournierung ihrer Güter. Damit war die Gefahr des Verfalls für die Kapelle „Zur Schmerzhaften Muttergottes am Kalvarienberg“ gebannt. Seit 1664 ist das Ensemble aus Hügel, Kreuzweg und Kapelle das Wahrzeichen der bis 1940 eigenständigen Gemeinde Arzl und schmückt auch das 1993 geschaffene Stadtteilwappen.

Der größten Eingriff in die Geografie erfolgte übrigens ein halbes Jahrhundert nach Josefs Tod. Die Kirchenverwaltung verkaufte 1844-1852 Teile des Hügels an eine Ziegelei, die die Grünfläche bis knapp an die Kirche abgrub. Es kommt also nicht von ungefähr, wenn ArzlerInnen die Südwand des Hügels schlicht als „Lettn“ bezeichnen.

Vor diesem Hintergrund kann man sich den Hügel im Hintergrund auch ganz anders vorstellen – und man erkennt die offene Wunde recht gut.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-Pl-727)

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