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Horrorszenario

Horrorszenario

22. April 1988, 13:25 Uhr. Brennerautobahn auf der Höhe Paschberg. Es herrscht dichter Verkehr in Richtung Brenner, als es zu einem „schweren Verkehrsunfall [kommt], an welchem drei mit Schadstoff beladene Fernlaster und nachfahrende PKWs beteiligt sind. Es kommt zum Brand […].“

Nach kurzer Zeit wird die Feuerwehr zur Unglückstelle alarmiert. Sie rückt um 13:30 mit zwei Konvois aus – schon auf der Anfahrt ist eine Rauchsäule sichtbar. Auch der Verkehr staut sich auf der A 13 bereits in beiden Fahrtrichtungen, sodass neben dem Branddirektor auch die Polizei und Rettung alarmiert werden. Unmittelbar nach dem Eintreffen an der Unglücksstelle wird mit der Menschenrettung und der Brandbekämpfung unter Atemschutz begonnen – noch ist unklar, welche Substanzen die drei LKWs geladen haben.

Bei der Brandbekämpfung wurde u.a. das GTLF 12000/1200 der Berufsfeuerwehr eingesetzt. Links im Bild: Innsbrucks Branddirektor Ing. Thomas Angermair.

Um 13:55 Uhr ist klar – die LKWs haben Künstdünger-Amonuimsulfatsalpeter, Essigsäureanhydrit und Superbenzin geladen. Fünf Minuten später wird in Innsbruck Katastrophenalarm ausgelöst; die Bezirkseinsatzleitung (BEL) tritt auf der Hauptfeuerwache zusammen und erhält von der Einsatzleitung vor Ort die Meldung, dass beim Brand Giftgase ausgetreten seien und sich eine Giftgaswolke von der Unglücksstelle in nordöstliche Richtung ausbreite.

Die Übung fand aus verkehrstechnischen Gründen ein Stück unterhalb der Autobahn am Paschbergweg statt.
Einsatzkräfte der Feuerwehr unter Vollschutz. Im Hintergrund erkennt man das GTLF 24000 (links) und das TLF 4500/500.

Was sich wie der Ablauf eines furchtbaren Unglücks liest, war zum Glück nur das Szenario für eine großangelegte Katastrophenschutzübung, die an eben jenem 22. April 1988 in Innsbruck abgehalten wurde. Als Übungsannahme wurde nicht zufällig ein schwerer Verkehrsunfall mit Gefahrgut angenommen, war doch schon in den 1980er-Jahren die Belastungen durch den Transitverkehr in Innsbruck und Umgebung hoch. Auch waren die Einsatzkräfte immer wieder mit schweren LKW-Unfälle im Großraum Innsbruck konfrontiert.

Wie bei der großen Erdbebenübung 1978 stand auch diesmal neben der Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen Feuerwehren der Stadt die Kräfte der Rettung, Polizei und Bundesheer sowie zivile Helferinnen und Helfer der sog. Hilfsstationen (HISTA) im Einsatz. Auch vier Hubschrauber wurden eingesetzt, darunter auch der unten abgebildete Hubschrauber der Heli Air.

Neben der Heli Air beteiligten sich auch je ein Hubschrauber des BMI, des Bundesheers und des ÖAMTC an der Übung.

Mit der Übung wurden gleich mehrere Ziele verfolgt. U.a. sollte die Bevölkerung „über Sinn und Zweck des Katastrophenschutzes und über Verhaltensregeln bei Giftgaskatastrophen, sowie über die Organisation des Katastrophenhilfsdienstes in Innsbruck“ informiert werden. Gleichzeitig sollte das Hochfahren der BEL sowie die Zusammenarbeit zwischen den Einsatzorganisationen und die Komunikation zwischen den Hilfsorgransationen und der BEL erprobt werden. Abgesehen galt es auch die Rettung „von weiträumig verstreut liegenden Giftgasverletzten“, „großräumige Gift-Abwehrmaßnahmen“ , die „Brandbekämpfung und Menschenrettung unter Atmemschutz bzw. Vollschutz“ und die „Koordination des Boden-Lufteinsatzes bei der Autobahn, Unfall- und Katastrophemhilfe“ unter schwierigen Verhältnissen (Brücken, Tunnel, Fahrbahnbegrenzungen) zu beüben.

Auch das TLF-A 3700/300 (FALCON Titan Fahrgestell Mercedes 8 ZL) der Stadtfeuerwehr Hall nahm an der Übung teil.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Archiv der Feuerwehr der Stadt Innsbruck, Fotoarchiv der Berufsfeuerwehr Innsbruck)

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