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Eine Verlorene Sehenswürdigkeit

Eine verlorene Sehenswürdigkeit

Der „Kräuterturm“ war ein Eckturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung Innsbrucks. Wenn man alte Karten studiert, dann bemerkt man, dass der Turm aus der Linie der Stadtmauer hervorgesprungen ist. Dies wohl in der Absicht, den Graben zu decken.

Der Name stammt laut dem überaus verdienten Stadtgeschichtsforscher Conrad Fischnaller von dem Begriff „Chraut“, der so viel wie „Pulver“ bedeutete, also Pulverturm. Dieses Bauwerk hatte jedenfalls die Wucht, ein einigermaßen sicherer Aufbewahrungsort für Schießpulver zu sein. Dieses durfte weder nass werden noch Feuer fangen.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde in dem Gemäuer das Gefängnis eingerichtet. Diese Funktion erfüllte es auch bis zur Errichtung des Gefängnisses beim Landesgericht, der sog. Schmerlinger Alm, in der Zeit von 1882 bis 1887. In diesem Gefängnis saßen nicht nur Strafgefangene nach einer rechtskräftigen Verurteilung, sondern es wurde hier auch im Sinne der Maria-Theresianischen Halsgerichtsordnung auch brutal gefoltert.

Es gibt Beschwerden von den katholischen Kirchgängern in der benachbarten Pfarrkirche zu St. Jakob, dass sie die Schreie und „Wehklagen“ der Gefolterten bei der sonntäglichen Andacht störten. Diese Sorgen hätten die InsassInnen des Kräuterturms in dieser Phase sicher gerne gehabt. Zu diesen zählten unter anderen zum Beispiel Oswald von Wolkenstein, Michael Gaismair und Jakob Huter, der im Jahr 1536 vor dem Goldenen Dachl verbrannt wurde.

1887 erwirbt die Stadt Innsbruck das Haus. Wenig später wurde des an das Pfarramt abgetreten. Ab 1890 wurde der Kräuterturm abgebrochen um ein Mietshaus zu errichten. Damit wurde eines der letzten offensichtliche Relikte der mittelalterlichen Stadt und ihrer damaligen Befestigung unwiederbringlich zerstört.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur: Ph-25.550)

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