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Columbo, übernehmen Sie.

Columbo, übernehmen Sie.

Die beiden Ansichtskarten zeigen eine bekannte Szene. An einem warmen Sommertag sehen wir einen Blick in die Maria-Theresien-Straße nach Norden (aufmerksame LeserInnen von Innsbruck Informiert haben uns vor 2 Wochen bei einem Himmelsrichtungs-Lapsus ertappt; sorry dafür!).
Es ist wie gesagt ein warmer Sommernachmittag, die Sonne steht, frei nach Herbert Grönemeyer „tief im Westen“, die Markisen im Café Schindler sind weit heruntergelassen, um die noble Blässe der Besucherinnen zu schützen. Beide Karten tragen die identische Katalognummer des Innsbrucker Ansichtskartenverlages MONOPOL. Auch die immer mühsam herausretuschierten Oberleitungen lassen ähnliche Lücken im oberen Bildteil erkennen. Und es ist ja auch das selbe Foto, wie man angesichts der geparkten Autos und Fahrräder und des gleichen Bildausschnittes zunächst glaubt.

Aber dann fehlt hier eine Fußgängerin und da ein Radfahrer, ein Auto links scheint gerade ein paar hundert Meter weiter gekommen zu sein. Der Fotograf hat wohl sicherheitshalber zwei Mal in kurzem Abstand auf den Auslöser gedrückt und sich dann nicht entscheiden können welches das bessere Bild sei.

Jetzt die Frage an die Runde: Sind die beiden Aufnahmen vor oder nach der NS-Zeit entstanden? Und wie begründen Sie ihre Theorie?

Dieser Beitrag hat 14 Kommentare
  1. Mir kommt vor, als ob es sich bei den ‚mühsam herausretuschierten Oberleitungen‘ teilweise um doppelte Obus-Oberleitungen handelt.Demnach ist das Foto auf alle Fälle nach 1943/44 entstanden. Nach Kriegszeit schaut es hier aber auch nicht aus. Außerdem ist das Haus neben der Spitalskirche (Annaapotheke) bereits wieder aufgebaut (Bombentreffer!). Ich datiere die Karte auf etwa 1952 (??)

  2. Mein Tipp ist weder – noch, sondern während der Nazizeit.
    Begründung: Auf http://www.novemberpogrom1938.at ist zu lesen, dass nach der Arisierung das ehemalige Kaufhaus Bauer & Schwarz am 3.11.1938 als Kaufhaus F. Kraus & Co wiedereröffnet und am 15.12.1943 durch einen Bombentreffer stark beschädigt wird. Der Wortteil „Kaufh…“ am rechten Bildrand entspricht laut dem Buchdeckel von „Von Bauer & Schwarz zum Kaufhaus Tyrol“, herausgegeben vom Horst Schreiber, der Beschriftung „Kaufhaus Kraus“ im angeführten Zeitraum. Davor war dort „BAUER – SCHWARZ“ zu lesen, danach „KAUFHAUS TYROL“. Folglich würde ich daraus den Schluss ziehen, dass das Foto für die Anschichtskarte zwischen November 1938 und Dezember 1943 geschossen worden sein muss.

  3. Ohne bereits vorhandene Kommentare gelesen zu haben: einige der „retuschierten“ Fahrleitungen sind
    O-Bus-Fahrleitungen; das ist nicht nur dort, wo man versucht hat sie wegzukratzen (eine offensichtlich recht sinnlose Mühe), sondern auch an deren Schattenwurf eindeutig erkennbar. Damit sind wir schon mal bei mindestens 1942, dem Jahr des Baues der ersten O-Bus-Strecken. Zusammen mit der Tatsache, dass die Szene nicht den Eindruck von Kriegszeiten vermittelt (auf der Straße herrscht Leben, Geschäftsleute in Anzügen, glänzende Autos, intakte Gebäude…), komme ich als Antwort auf „nach der NS-Zeit“, und zwar vermutlich schon einige Zeit danach, vielleicht um 1948-1950 herum.

  4. Die Aufnahme stammt aus der Nachkriegszeit. Um 1938/40 hatte das Hotel Maria Theresia nämlich noch eine prächtige Gründerzeitfassade, welche hier fehlt.

  5. Mein anscheinend verschwundener Beitrag:

    Mein Tipp ist weder – noch, sondern während der Nazizeit.
    Begründung: Auf http://www.novemberpogrom1938.at ist zu lesen, dass nach der Arisierung das ehemalige Kaufhaus Bauer & Schwarz am 3.11.1938 als Kaufhaus F. Kraus & Co wiedereröffnet und am 15.12.1943 durch einen Bombentreffer stark beschädigt wird. Der Wortteil „Kaufh…“ am rechten Bildrand entspricht laut dem Buchdeckel von „Von Bauer & Schwarz zum Kaufhaus Tyrol“, herausgegeben vom Horst Schreiber, der Beschriftung „Kaufhaus Kraus“ im angeführten Zeitraum. Davor war dort „BAUER – SCHWARZ“ zu lesen, danach „KAUFHAUS TYROL“. Folglich würde ich daraus den Schluss ziehen, dass das Foto für die Anschichtskarte zwischen November 1938 und Dezember 1943 geschossen worden sein muss.

    1. Das würde das Aufnahmejahr wegen der O-Bus-Fahrleitung auf 1943 einschränken, eventuell 1942, weil in diesem Jahr mit deren Errichtung begonnen wurde.

  6. Mir ist schon vom Anfang an das Haus neben der Spitalskirche (Nr. 4 Anna Apotheke) aufgefallen! Diese ’neue‘ Fassade passt so gar nicht zu den übrigen Häusern mit ihren Erkern in der westseitigen Maria Theresien Straße. Ich habe nun einen Beweis hierfür aus „Als in Innsbruck die Sirenen heulten“ von Michael Svehda, Seite 152 und 153, gefunden. Der Wiederaufbau nach dem Bombentreffer im Jahre 1943 erfolgte demnach 1950 / 51

  7. Ergänzend: auf der von Herrn Roilo verlinkten AK aus 1938 fehlen auch das zweite Richtungsgleis in der südlichen Maria-Theresien-Straße (im Vordergrund) sowie die besagten O-Bus-Fahrleitungen.

  8. Ich gehe auch davon aus, dass das Bild in der ersten Hälfte der 1950er Jahre entstanden ist.

    Die Kriegsschäden an den Gebäuden sind im Großen und Ganzen behoben, die Fußgänger sind alle in Zivilkleidung und ein Gutteil der abgebildeten sind Männer. Bei den wenigen Kfz auf der Straße fehlen die typischen Bauarten der Wirtschaftswunderzeit aber noch komplett.
    Zusammen mit anderen Fakten (Obusfahrleitungen, bereits wiederaufgebaute Anna-Apotheke und den Straßenwegweisern rechts gemäß des Straßenpolizeigesetzes von 1947) tippe ich auf den Zeitraum von ca. 1951-1954.

  9. aufgrund der Mode und dem vespaähnlichen Motorroller würde ich die Photos in die 1950er legen. die üblichen „kniehosen bis 1945 und knapp danach sind am Photo nicht sichtbar. ist vor dem Schindler gar ein Pettycoat zu sehen?

  10. ich vermeine, dass die Aufnahme in den fünfziger Jahren war. Unter Bürgermeister Dr. Greiter wurde die kleine Grünfläche bei der Annasäule gemacht und in de Presse als „Greitergartl“ kommentiert. Ich kann natürlich nicht sagen, ob es nicht schon früher derartiges gab. Die Fassade des Hotel Maria Theresia kommt mir erneuert vor, die Mode wirkt eher moderner und das Moped vor dem Hotel Maria Theresia dürfte ein Nachkriegsmodell sein

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