Post aus Pola
Nach über drei Jahren in China und einer mehrwöchigen Seereise an Bord von S.M.S. Kaiser Elisabeth traf Conrad Marcsák am Vormittag des 6. Dezember 1905 planmäßig im Kriegshafen von Pola ein. Den Zeitungen war die Ankunft, wenn überhaupt, nur eine kurze Notiz wert. So konnte man etwa im Salzburger Volksblatt lesen:
„Pola. 6. Dezember. Der Kreuzer ‚Kaiserin Elisabeth‘ ist nach fast zweijähriger Mission heute um halb 10 Uhr vormittags in den hiesigen Kriegshafen eingelaufen. Im Marinekasino fand sodann ein Begrüßungskonzert statt.“
Für Marcsák ging damit nicht nur ein abenteuerlicher Lebensabschnitt zu Ende, sondern auch sein Dienst bei der k. u. k. Kriegsmarine. Und er hoffte wohl auf ein baldiges Wiedersehen mit Lida Kränzl. Jedenfalls sandte ihr umgehend die oben abgebildete Karte, um ihr seine Ankunft anzuzeigen. Die beiden hatten sich ja persönlich noch nie gesehen. Lida hoffte daher sehr auf einen Besuch Conrads in Innsbruck, wie sie ihm bereits Anfang November 1905 geschrieben hatte. Freilich scheint die Karte nicht in seine Hände gelangt zu sein, denn das Postamt in Pola hatte Lidas Karte mit dem Vermerk „unbehoben – unbestellt“ zurückgeschickt. Daher bleibt offen, ob sich die beiden jemals persönlich getroffen haben …


(Slg. Kurt Klieber, Privatbesitz)