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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
MUC-GAP-INN-CDF-VCN? NEIN DANKE!

MUC-GAP-INN-CDF-VCN? NEIN DANKE!

Es gibt viele Gründe, nach Venedig zu fahren. Einer davon könnte sein, dass dort sicher nie Olympische Winterspiele ausgetragen werden, jedenfalls keine alpinen und Sprung-Bewerbe, und die anderen interessieren in Tirol ja ohnehin niemanden. Es ist schon April, aber die Aufregung, ob Curling nun ein Sport sei oder nur eine Belangsendung bodenschrubbender Watscheler, klingt immer noch gelegentlich in Gesprächen nach.

Der Autor dieser Zeilen ist schon seit 25 Jahren nicht mehr mit dem Auto nach Venedig gefahren. Es gibt für diese Strecke einfach nur Gründe, den Zug zu nehmen. Außer es ist Sommer, man ist Münchner und fährt gerne durch die Alpen spazieren. Zur bessern erFAHRbarkeit ist die Karte hier auch interaktiv zu betrachten.

Die Projektgruppe für diese Route lag, wie man sich denken kann, in Garmisch. Dort hatte man in der Kurverwaltung Sorge, dass der deutsche Automobilist die Doppelgemeinde an der Alpenkante glatt umfahren werde, wenn man keine Themenstraße ausriefe. Wir befinden uns am Ende der 1960er Jahre, einer Zeit, in der „Verkehr ist Leben“ proaktiv gedacht wurde und die PKW-Zulassungen und Nächtigungszahlen jedes Jahr zweistellig wuchsen. In Tirol wurden kurze Zeit später zwei Ausweichrouten für die des ewigen Brennerjausnens schon überdrüssige Fahrtlgesellschaft ersonnen. Ältere Leser:innen werden sich hauptsächlich an die Windschutzscheiben-Wappelen der Widerstandsgruppen im Ziller-&Ahrn- sowie im Gurgltal erinnern. Einmal wars „ULM-MAILAND-NEIN DANKE“ die eine Fernpass-Schnellroute samt optionalem Tschirganttunnel verhinderte; die andere „ALEMAGNA-NIEMALS“ stoppte die Fantasie einer Direkt-Autobahn München-Adria irgendwie durch alle Alpenhauptkämme durch, inklusive dem Zillertal als Nordrampe des Individualverkehrskollapses.

Man kann diesen kleinen Gruppen lokaler Aktivist:innen, oftmals als Schrullen verächtlich gemacht und stets sträftlich unterschätzt, gar nicht genug Dank aussprechen, dass sie sich wider jede reine Vernunft und ohne Aussicht auf Erfolg mit dem Deutschen Großkapital und der rauschhaften Wohlstandsprasserei Nachkriegseuropas anlegten. Zudem kooperierten hier in Tirol die ÖVP und SPÖ als echte Autofahrer- und Betonparteien. Zweifel an den Entwicklungen wurden nicht verstanden oder als kommunistische Obstruktion des hier nachgereichten Tourismus-Wirtschaftswunders verunglimpft. Wahlkampfbroschüren bestanden viele Jahre nur aus Aufstieg versprechenden Baustellenbildern. Für das touristische Bild, das Musicbox- Ikone Wolfgang Kos in seinem 30 Jahre alten Text ‚Eigenheim Österreich‘ so schön dekonstuiert hat, wurden dann wieder die Ansichtskartenmotive herausgeholt.

(Sammlung Markus Wilhelm)

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