Ein Fototermin auf der Innsbrucker Hütte
Aus der Sammlung Walter Kreutz stammt diese Glasplattenfotografie, die als Titelbild dieses Beitrags dient. Das Foto ist um 1910 herum entstanden und zeigt die Innsbrucker Hütte, die auf einer Höhe von 2369 Metern in den Stubaier Alpen liegt. Vor der Hütte posieren einige Personen für den Fotografen: Einer der Männer spielt auf einer Gitarre, rechts und links von ihm stehen zwei Damen in langen Kleidern, zwei der Herren sind mit langen Wanderstöcken ausgestattet. Rings um die Hütte und auf den Bergen liegt Schnee.
Über den Bau der Innsbrucker Hütte im Jahr 1884 und den weiteren Ausbau im Jahr 1893 erschien in den Innsbrucker Nachrichten am 3. September 1894 folgender, sehr interessanter Artikel: „Schon seit vielen Jahren, ja noch bevor die Touristik begonnen hatte überhaupt als solche zur Geltung zu kommen, war der Habicht 3290 m, im Volksmunde „Hager“, im Stubaithale gelegen, als Aussichtspunkt ersten Ranges bekannt. Schon die alten Geometer benützten denselben mit Vorliebe als trigonometrischen Punkt. Später, als das Bergsteigen nicht mehr als „Narretei“ sondern als Mittel zur Erhaltung der Gesundheit und als edler Sport betrachtet wurde, gelangte der Habicht auch bald zu seinem wohlverdienten Range und schon frühzeitig zeichnete der bekannte Götzner Pfarrer Gatt ein sehr gelungenes, heute noch allgemein in Gebrauch stehendes Panorama dieses eis- und schneebedeckten Hochgipfels. Mit dem gesteigerten Besuche des Gipfels wurde natürlich auch die Frage nach einer geeigneten Unterkunft immer häufiger, weshalb die Section Innsbruck-Wilten des Oesterr. Touristen-Clubs im Jahre 1884 am Pinnisserjoche 2360 m die Innsbrucker-Hütte erbaute, welche den damaligen Bedürfnissen vollständig genügte und nach dem Fremdenbuche zu urtheilen einer stattlichen Anzahl von Touristen Schutz und Obdach geboten hat. Der jährlich steigende Fremdenverkehr in Tirol hat auch für den Habicht einen größeren Besuch gebracht, so dass die Innsbrucker Hütte hiefür nicht mehr ausreichend war. Die vorgenannte Section beschloss daher eine Erweiterung der Hütte vorzunehmen und stellte bei der vorjährigen Tiroler Landausstellung eine Musterschutzhütte zur Schau, welche nach einer neueren Methode erbaut, nur aus einem Balkengerippe mit Korkziegeln ausgefüllt und mit entsprechender Bretter- und Schindelverschalung bestehend, die vollständige Ausnützung eines jeden Raumes gestattet und für 40—50 Personen Schlafraum bietet. Dieser Musterbau fand auch allgemein Beifall und Anerkennung, wurde von den höchsten und hohen Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses mit dem Besuche beehrt und wurde durch ein Ehrendiplom vorgenannter Ausstellung ausgezeichnet. Noch im Herbste und Winter 1893 wurde diese neue Innsbrucker Hütte in ihre Theile zerlegt und im Gewichte von 30.000 kg bis zur Karalpe im Pinisserthale gebracht. Die heuer im Frühjahre herrschenden schlechten Schneeverhältnisse verzögerten ungemein den Weitertransport zum Bauplatze; Regen und Schnee verhinderten auch dann noch manchen Tag die Aufstellungsarbeit. Heute steht die Hütte nun fertig droben und weithin leuchtet der glänzende Schindelverschlag mit der vorzüglichen Imprägnierungsmasse der Firma Gustav Ritter in Wien wetterfest gemacht. Die Korkziegel lieferte in vorzüglicher Qualität und in munificentester Weise die Firma Kleiner und Bockmayr in Mödling bei Wien und es ist ganz natürlich, dass dies neue Baumaterial die Aufmerksamkeit aller Hütten bauenden Vereine verdient, zumal schon einige Bauten wie Müllerhütte und Becherhaus auch mit Korkziegel gebaut sind und ihren Aufgaben in bester Weise entsprechen. Durch die Korkziegelverkleidung sind die inneren Räume der Hütte von Kälte und Hitze vollständig isoliert, so dass darin eine stets gleichmäßige Temperatur erhalten werden kann. Am 8. Und 9. September findet nun, wie bereits gemeldet, die feierliche Einweihung und Eröffnung dieses neuen Unterkunftshauses statt und steht für diese Feierlichkeit zahlreicher Besuch nicht nur von Innsbrucker sondern auch auswärtigen Touristen in Aussicht. Im Uebrigen sei hier bemerkt, dass die Innsbrucker Hütte bis Saisonschluss bewirtschaftet bleibt und dass die Besteigung des Habicht trotz der Höhe von 3290 m auch von mittelmäßig guten Touristen ausgeführt werden kann, natürlich nur unter guter Führung, welche der Reisende, bei der großen Anzahl der Stubaier Bergführer stets leicht findet.“
(Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-22)