Das Grandhotel Stubai
Im Sommer 1903 wurde mit dem Bau des Grandhotel Stubai in Fulpmes begonnen. Bauherr war der Ingenieur und Unternehmer Josef Riehl. Geplant wurde das Gebäude von dem Meraner Architektenbüro Musch & Lun. Die Bauarbeiten dauerten nur ungefähr ein Jahr. Am 8. Juli 1904 erschien in den Innsbrucker Nachrichten eine kurze Notiz in der die baldige Eröffnung des Hotels angekündigt wurde: „Aus Fulpmes wird uns gemeldet: Das Hotel Stubai wird nächsten Sonntag den 10. d. M. in vollem Umfange eröffnet werden. Aus diesem Anlasse wird dort nachmittag die Stubaier Schützenkapelle konzertieren. Der Betrieb der Bahn erfolgt aus den bereits bekannten Gründen erst in den nächsten Tagen.“

Für das Hotel wurde in in- und ausländischen Medien kräftig die Werbetrommel gerührt. So erschien zum Beispiel in der Zeitschrift „Die Zeit“ am 10. August 1913 folgender Artikel, in dem die Annehmlichkeiten, auf die sich potentielle Gäste des Grandhotel Stubai freuen konnten, ausführlich geschildert wurden: „Fulpmes im Stubaital ist einer jener Tiroler Luft- und Höhenkurorte, der erst in jüngster Zeit für das große Publikum „entdeckt“ wurde. Heute bringt die Stubaitalbahn, die an schroffen Felswänden und über kühne Viadukte hinwegführt und als ein Kunststück moderner Eisenbahntechnik bezeichnet werden muß, die Reisenden in bequemen Aussichtswagen nach Fulpmes, wo sie in dem Grandhotel Stubai eine erstklassige Unterkunftsstätte finden. Dieses neue Alpenhotel mit Dependance, im Stil der Häuser des Vereins für Alpenhotels in Tirol gehalten, enthält neunzig komfortabel und elegant eingerichtete Zimmer und Salons, zum großen Teil mit Balkon, mit 126 Betten. Die gefällige, dem Auge wohltuende Architektur ist dem Landschaftsbild angepaßt, ohne Zweck und praktische Einrichtung zu beeinträchtigen. Mit allem modernen Komfort ausgestattet, hygienisch und zweckentsprechend, ohne über flüssigen Luxus, ist nichts gespart worden, dem zur Erholung weilenden Gaste den Aufenthalt so angenehm und nutzbringend als möglich zu gestalten. Hohe, geräumige, helle und elegant möblierte Zimmer, Personenaufzug, elektrisches Licht überall, Bäder in allen Etagen, große, modern ausgestattete öffentliche Räume, hohe und luftige Speisesäle, umgeben von Terrassen mit entzückender Fernsicht, Dunkelkammer für Amateurphotographen, Spiel- und Tennisplätze, eigenes mit neuer Leitung zugeführtes Gebirgsquellwasser. Die hygienischen Einrichtungen entsprechen den neuesten Anforderungen; gepolsterte Doppeltüren dämpfen das Geräusch von den Gängen, auch sind die durchgehenden Zimmer mit Doppeltüren versehen. Es ist nichts versäumt worden, um die moderne Hoteltechnik zum Wohle des Gastes voll und ganz zur Geltung zu bringen. Für erstklassige Verpflegung ist bestens gesorgt, auf Küche und Keller wird besondere Sorgfalt verwendet und das Hotel nach bewährter Schweizerart geführt. Auch für den Touristen und Passanten ist auf das Beste gesorgt. Eigenes Touristenrestaurant und separate Touristenzimmer mit bescheidenen Preisen bezwecken, daß der Fröhlichkeit und Abwechslung bringende Tourist und Bergsteiger ungestört und ungeniert gute und preiswürdige Verpflegung und Unterkunft findet, ohne indessen den Hotel- und Kurgast im mindesten zu belästigen.“
Während des Ersten Weltkriegs blieben die Gäste aus und das Hotel wurde zahlungsunfähig. Das Gebäude diente nun als Lazarett. Nach dem Tod Josef Riehls am 17. Februar 1917 erwarben Bürger aus Fulpmes das Hotel. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger berichtete am 22. September 1918 über den Besitzerwechsel: „Aus Fulpmes meldet man uns: Grand-Hotel „Stubai“, 1904 anläßlich der Vollendung der Stubaitalbahn als Eigentum des im vorigen Jahre verstorbenen Ehrenbürgers von Fulpmes, Dr. J. Riehl, erbaut, ging mit Einschluß der ehemaligen Villa Stanger durch Kauf am 11. September um den Preis von 230.000 Kronen an einen Kreis Ortsangehöriger über. Gegenwärtig dient das große, sehr solid gebaute und vollständig modern angelegte Objekt als Notreservespital.“
Der Gebäudekomplex wurde kurz darauf den Salesianern Don Boscos angeboten, welche es 1921 erwarben und in „Bonifatiusinstitut“ umbenannten. Sie nutzten das ehemalige Hotel als Schüler- und Lehrlingsheim sowie als Ausbildungshaus für den Ordensnachwuchs und Priesteranwärter. Im Jahr 1939 wurden die Patres und die Internatsschüler von den Nationalsozialisten, die das Gebäude zu einer „Heeres-Hochgebirgsschule“ umfunktionierten, vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen französische Heeresangehörige in das ehemalige Hotel ein. In einem Teil der Räumlichkeiten entstand ein Lyzeum für französische Offizierskinder. Erst im Jahr 1954 erhielten die Salesianer don Boscos das Gebäude zurück und bereits ein Jahr später wurde das Schülerheim wieder eröffnet. Im Jahr 1972 wurde das ehemalige Grandhotel Stubai abgerissen und durch einen – von dem bekannten Architekten Clemens Holzmeister geplanten – Neubau ersetzt.
(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-37615, Ph-A-24717-50)