„Der gütige Antonius“
Die Revue-Operette „Der gütige Antonius“ wurde im Jahr 1936 am Innsbrucker Stadttheater aufgeführt und entwickelte sich zu einem richtigen Kassenschlager. Viele der Vorstellungen waren in kürzester Zeit komplett ausverkauft.
Komponiert wurde die Operette „Der gütige Antonius“ von dem tschechischen Operetten-, Filmmusik- und Schlagerkomponisten Jara Beneš (1897 – 1949). Zwar wurde das Werk bereits im Jahr 1932 in Prag uraufgeführt, der große Erfolg stellte sich aber erst im Jahr 1935 an der Wiener Volksoper ein. Dort entwickelte sich die Operette zu einem Publikumsmagneten und wurde sowohl vom Publikum als auch der Presse gefeiert.
Über den großen Erfolg dieser Operette berichteten zahlreiche österreichische Tageszeitungen, unter anderem auch die Innsbrucker Nachrichten vom 23. März 1936: „Unter den zahlreichen Epigonen des „Weißen Rößls“ ist „Der gütige Antonius“ nicht der schlechteste; vor allem scheint er wirklich ein Wundertäter zu sein: Wo immer er noch aufgeführt wurde, überall hat er ausverkaufte Häuser gemacht. In der Wiener Volksoper wurde er schon weit über hundertmal in ununterbrochener Reihenfolge gegeben und immer noch lockt er neue Zuschauerscharen an, die sich an seinen oft ziemlich derben, aber meist harmlosen Spässen erheitern wollen.“
Im selben Artikel wird auch auf die Handlung und den Komponisten der Operette eingegangen: „Die lustige Handlung dieser Revue-Operette bildet die gemütlich satirische Dorfgeschichte von einem protzigen Bauern, der unverhofft zu einem Schloß und den dazugehörigen Moneten gekommen ist, weil der heilige Antonius, der Schutzpatron des Ortes, auf seinem Grund und Boden eine segensreiche Heilquelle aufsprudeln ließ. Da aber der Dorfgewaltige seinen Ehrgeiz daran setzt, seine Tochter Andulka mit einem Filmstar zu vermählen, für den sich aber eine junge Amerikanerin interessiert, während Andulka einen Fliegerleutnant liebt, entsteht eine allgemeine „Verwuzzelung der Gefühle“, die durch die Querschläge eines dritten Paares derart verwickelt wird, daß nur der heilige Antonius, der gütige Freund und Helfer aller Liebenden, sie wieder zu lösen vermag. Zum Schluß werden natürlich alle drei Paare zu lebenslänglicher Ehe verurteilt, verschärft durch zartes Lager. – Fenel und Balda haben diesen bunten Bilderbogen recht flott entworfen und wenn auch manche ihrer Späße schon auf ein ehrwürdiges Alter zurück blicken und lange Bärte tragen, das liebe Publikum freut sich, alte Bekannte wieder zu treffen und lacht darüber. Auch in der Musik vernimmt man zuweilen vertraute Klänge – man merkt, daß der Komponist aus der Heimat Smetanas stammt –, aber Jara Benesch hat auch gute eigene Einfälle, instrumentiert sauber und flüssig und versteht sich auf schmissige Duette, wirksame Chöre und Schlagermelodien, die leicht ins Gehör gehen. Die beste von ihnen, die immer wieder aufklingt, „Ich möcht‘ von dir ein Photo“, wurde auch schon samt den Bildern der drei Liebespaare als Postkarten vervielfältigt, und es war ein netter Regieeinfall, diese Karten noch während der Vorstellung von unseren feschen Girls im Zuschauerraum verteilen zu lassen. […] Das Publikum war in bester Laune und unterhielt sich glänzend. Hoffen wir also, daß der „gütige Antonius“ auch in Innsbruck seine Wunderkraft ausüben wird.“
Das Titelbild zeigt eine von der „Photo-Atelier u. Photo-Kunstkartenzentrale Richard Müller“ herausgegebene Postkarte auf der die Schauspielerinnen und Schauspieler abgebildet sind, die in der Operettenaufführung am Stadttheater Innsbruck die drei Liebespaare darstellten. Auf der Karte ist auch der Liedtext der Schlagers „Ich möcht‘ von dir ein Foto“ zu lesen. Ob es sich dabei um eine – wie im obigen Artikel beschrieben – während der Vorstellung verteilte Postkarte handelt, ist mir leider nicht bekannt.
(Stadtarchiv Innsbruck, Sommer 2-419)