Erinnerung an die Brennerbahn – Nächster Halt Steinach in Tirol
Nachdem im letzten Beitrag der Ort Steinach am Brenner im Mittelpunkt stand, richtet sich der Blick diesmal auf den Bahnhof selbst, den Bahnhof Steinach in Tirol. Dabei drängt sich gleich zu Beginn eine interessante Frage auf: Warum trägt die Station den Namen Steinach in Tirol, während der Ort offiziell Steinach am Brenner heißt? Eine eindeutige Antwort darauf ist nicht leicht zu finden, doch vielleicht weiß ja jemand aus der Leserschaft mehr darüber?
Der Bahnhof wurde gemeinsam mit der Brennerbahn im Jahr 1867 eröffnet und gehört damit zur ersten Generation dieser bedeutenden Alpenquerung. Errichtet in den 1860er-Jahren, ist er ein authentisches Zeugnis jener Zeit, in der die Eisenbahn begann, die Alpenräume nachhaltig zu verändern und zu erschließen. Architektonisch entspricht das Gebäude dem typischen Stil der Bahnhöfe der Habsburgermonarchie. Symmetrische Fassaden, Rundbogenfenster und eine klare, funktionale Gliederung prägen sein Erscheinungsbild bis heute. Trotz zahlreicher Veränderungen im Umfeld hat sich das denkmalgeschützte Aufnahmegebäude bemerkenswert gut erhalten und vermittelt noch immer einen Eindruck seiner ursprünglichen Gestalt.

Im Zuge der Recherche ist mir eine besonders eindrucksvolle historische Aufnahme begegnet. Sie zeigt den Bahnhof zur Zeit der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs. Das Gebäude ist darauf vollständig in Propaganda und Hakenkreuzfahnen gehüllt, ein beklemmendes, aber zugleich aufschlussreiches Zeitdokument.
Offenbar wurde damals am Bahnhof sogar ein eigenes Wahllokal für Reisende eingerichtet, etwa für Personen auf dem Weg nach Italien. Unter welchen genauen Bedingungen man fernab seines Wohnortes abstimmen konnte und ob dies eine gängige Praxis war, bleibt unklar. Doch wie so oft in dieser Serie erzählen die einzelnen Stationen keine lauten Geschichten, aber es lohnt sich fast immer genauer hinzusehen.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-Pl-11883, Ph-22516)