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	Kommentare zu: Wo sind sie, die (Ex-)RaucherInnen?	</title>
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	<description>Ein Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum</description>
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		<title>
		Von: Josef Auer		</title>
		<link>https://innsbruck-erinnert.at/wo-sind-sie-die-ex-raucherinnen/comment-page-1/#comment-24092</link>

		<dc:creator><![CDATA[Josef Auer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Dec 2022 09:04:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://innsbruck-erinnert.at/?p=35051#comment-24092</guid>

					<description><![CDATA[Im 1. Weltkrieg gab es auch schon Raucherkarten, allerdings nur für Männer. In der Neuen Freien Presse beschwerte sich am 12.05.1918 eine Raucherin in einem Leserbrief, welcher ein interessantes Licht auf die damaligen Verhältnisse wirft:

&quot;Die Raucherin ohne Raucherkarte. Eine
Dame schreibt uns: Man mag über das Rauchen der Frauen
denken wie man will, mag es als schlechte Gewohnheit, als
Nachahmung und Luxus betrachten und aus ästhetischen und
hygienischen Gründen verdammen, Tatsache ist, daß zahlreiche
Frauen von heute rauchen: genau so eifrig und leidenschaftlich
wie die Männer und in vielen Fällen wohl auch mit der­
selben Berechtigung. Das Rauchen der Damen ist heutzutage
etwas ganz Selbstverständliches und längst kein Merkmal von
krampfhafter Emanzipation oder extremer Modernität mehr.
Wenn ein Herr in einer Gesellschaft die Tabatiere herausnimmt,
wird er gewiß nicht verabsäumen, den anwesenden Damen
anzubieten, und der Verehrer, der seinen Gefühlen in Form
einer Schachtel ägyptischer Zigaretten Ausdruck gibt, ist
mindestens so gern gesehen wie der Freund mit den geheimnis­-
vollen Mehl- und Speckbeziehungen. Nur Finanzministerium
und Tabakregie scheinen von diesem Brauch nichts zu wissen.
Sie kennen keine Raucherin und verurteilen die Frauen un­-
erbittlich zu einem Zwangsaufenthalt im Nichtraucherabteil des
täglichen Lebens. Nur männliche Personen, die das
17. Lebensjahr erreicht haben, dürfen sich anmelden, die For­-
mulare ausfüllen und sich derart ein bescheidenes Existenz­-
minimum von Nikotin sichern. Für uns Frauen gibt&#039;s keine
Raucherkarte, von uns ist in der Verordnung nicht einmal
mit einem Wort, einer Andeutung die Rede. Will man uns
etwa in allzu zarter und übertrieben galanter Rücksicht die
indiskrete Frage nach dem Geburtsjahr ersparen? Man hat
sich im Laufe der letzten Jahre an noch viel indiskretere und
neugierigere Fragen gewöhnt. Wahrscheinlicher ist, daß, die
Tabakregie das Rauchen der Frauen für unnötig hält. Offen­-
bar weil sie schon so viele männliche Pflichten und Sorgen
übernommen haben, daß man ihnen diese kleine Annehmlichkeit
des Rauchens nicht auch noch aufbürden darf. Auf alle
anderen Karten haben die Frauen Anspruch und man kann
ohne Übertreibung sagen, daß sie sogar den größten Teil der
Kartenlast und Kartensorgen tragen, die Raucherkarte wird
ihnen verweigert, der Eintritt in die Tabaktrafik unerbittlich
verwehrt. Höchstens als Ladenkunde dürfen sie dort an-
stehen, vermutlich, weil die Frauen noch nicht genug Uebung
im Anstellen haben. Also müssen wir uns das Rauchen vom
17. Juni an endgültig abgewöhnen? Keine Spur. Die
Frauen werden sich Zigaretten verschaffen, so wie sie sich alles
andere verschafft haben. Also wieder Schleichwege, List,
Protektion und Überzahlungen. Man wird entweder in Geld
überzahlen oder in Koketterie. Die männlichen Stammkunden
werden für die verweigerte Raucherkarte aufzukommen und die
Ungerechtigkeit des Nikotinschicksals, auch Tabakregie genannt,
auszugleichen haben. Aber nicht nur die Raucherinnen, auch
die Frauen, die nie rauchen, brauchen heutzutage dringend
Tabak. Vor allem zu Hamsterfahrten, denn die zeitgemäßen
Kühe, Hühner und Schweine geben jetzt nur gegen Tabak
Milch, Eier und Fett, und die verschiedenen Lieferanten und
Approvisionierungsboten nehmen zwar auch Trinkgelder, aber
noch lieber eine Handvoll Zigaretten. Eine tüchtige Hausfrau
braucht unbedingt Zigaretten, sie wird sie sich auch verschaffen
und wenn sie sie dem eigenen Mann vom Mund absparen
muß. Und was wird also das praktische und moralische Er­-
gebnis dieser antifemininen Maßregel sein? Daß durch die
verweigerte Raucherkarte merkwürdigerweise die Gestehungs­-
kosten einer Eierspeise oder eines Butterbrotes noch höher
werden.... Da muß man sich doch ärgern, da muß man
nervös werden und muß unbedingt rauchen...&quot;
So weit der Leserbrief von 1918.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im 1. Weltkrieg gab es auch schon Raucherkarten, allerdings nur für Männer. In der Neuen Freien Presse beschwerte sich am 12.05.1918 eine Raucherin in einem Leserbrief, welcher ein interessantes Licht auf die damaligen Verhältnisse wirft:</p>
<p>&#8222;Die Raucherin ohne Raucherkarte. Eine<br />
Dame schreibt uns: Man mag über das Rauchen der Frauen<br />
denken wie man will, mag es als schlechte Gewohnheit, als<br />
Nachahmung und Luxus betrachten und aus ästhetischen und<br />
hygienischen Gründen verdammen, Tatsache ist, daß zahlreiche<br />
Frauen von heute rauchen: genau so eifrig und leidenschaftlich<br />
wie die Männer und in vielen Fällen wohl auch mit der­<br />
selben Berechtigung. Das Rauchen der Damen ist heutzutage<br />
etwas ganz Selbstverständliches und längst kein Merkmal von<br />
krampfhafter Emanzipation oder extremer Modernität mehr.<br />
Wenn ein Herr in einer Gesellschaft die Tabatiere herausnimmt,<br />
wird er gewiß nicht verabsäumen, den anwesenden Damen<br />
anzubieten, und der Verehrer, der seinen Gefühlen in Form<br />
einer Schachtel ägyptischer Zigaretten Ausdruck gibt, ist<br />
mindestens so gern gesehen wie der Freund mit den geheimnis­-<br />
vollen Mehl- und Speckbeziehungen. Nur Finanzministerium<br />
und Tabakregie scheinen von diesem Brauch nichts zu wissen.<br />
Sie kennen keine Raucherin und verurteilen die Frauen un­-<br />
erbittlich zu einem Zwangsaufenthalt im Nichtraucherabteil des<br />
täglichen Lebens. Nur männliche Personen, die das<br />
17. Lebensjahr erreicht haben, dürfen sich anmelden, die For­-<br />
mulare ausfüllen und sich derart ein bescheidenes Existenz­-<br />
minimum von Nikotin sichern. Für uns Frauen gibt&#8217;s keine<br />
Raucherkarte, von uns ist in der Verordnung nicht einmal<br />
mit einem Wort, einer Andeutung die Rede. Will man uns<br />
etwa in allzu zarter und übertrieben galanter Rücksicht die<br />
indiskrete Frage nach dem Geburtsjahr ersparen? Man hat<br />
sich im Laufe der letzten Jahre an noch viel indiskretere und<br />
neugierigere Fragen gewöhnt. Wahrscheinlicher ist, daß, die<br />
Tabakregie das Rauchen der Frauen für unnötig hält. Offen­-<br />
bar weil sie schon so viele männliche Pflichten und Sorgen<br />
übernommen haben, daß man ihnen diese kleine Annehmlichkeit<br />
des Rauchens nicht auch noch aufbürden darf. Auf alle<br />
anderen Karten haben die Frauen Anspruch und man kann<br />
ohne Übertreibung sagen, daß sie sogar den größten Teil der<br />
Kartenlast und Kartensorgen tragen, die Raucherkarte wird<br />
ihnen verweigert, der Eintritt in die Tabaktrafik unerbittlich<br />
verwehrt. Höchstens als Ladenkunde dürfen sie dort an-<br />
stehen, vermutlich, weil die Frauen noch nicht genug Uebung<br />
im Anstellen haben. Also müssen wir uns das Rauchen vom<br />
17. Juni an endgültig abgewöhnen? Keine Spur. Die<br />
Frauen werden sich Zigaretten verschaffen, so wie sie sich alles<br />
andere verschafft haben. Also wieder Schleichwege, List,<br />
Protektion und Überzahlungen. Man wird entweder in Geld<br />
überzahlen oder in Koketterie. Die männlichen Stammkunden<br />
werden für die verweigerte Raucherkarte aufzukommen und die<br />
Ungerechtigkeit des Nikotinschicksals, auch Tabakregie genannt,<br />
auszugleichen haben. Aber nicht nur die Raucherinnen, auch<br />
die Frauen, die nie rauchen, brauchen heutzutage dringend<br />
Tabak. Vor allem zu Hamsterfahrten, denn die zeitgemäßen<br />
Kühe, Hühner und Schweine geben jetzt nur gegen Tabak<br />
Milch, Eier und Fett, und die verschiedenen Lieferanten und<br />
Approvisionierungsboten nehmen zwar auch Trinkgelder, aber<br />
noch lieber eine Handvoll Zigaretten. Eine tüchtige Hausfrau<br />
braucht unbedingt Zigaretten, sie wird sie sich auch verschaffen<br />
und wenn sie sie dem eigenen Mann vom Mund absparen<br />
muß. Und was wird also das praktische und moralische Er­-<br />
gebnis dieser antifemininen Maßregel sein? Daß durch die<br />
verweigerte Raucherkarte merkwürdigerweise die Gestehungs­-<br />
kosten einer Eierspeise oder eines Butterbrotes noch höher<br />
werden&#8230;. Da muß man sich doch ärgern, da muß man<br />
nervös werden und muß unbedingt rauchen&#8230;&#8220;<br />
So weit der Leserbrief von 1918.</p>
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		Von: Josef Auer		</title>
		<link>https://innsbruck-erinnert.at/wo-sind-sie-die-ex-raucherinnen/comment-page-1/#comment-24090</link>

		<dc:creator><![CDATA[Josef Auer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Dec 2022 08:45:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wahrscheinlich ist die &quot;Raucherkarte M&quot; für Männer und die &quot;Raucherkarte F&quot; für Frauen, welche nur die halbe Tabakration wie die Männer erhielten. Ab 1948 erhielten Männer und Frauen dann die gleiche Tabakration, weshalb der Zusatzbuchstabe entfallen konnte.

Mehr zu diesem Thema kann man auch beim &quot;Haus der Geschichte Österreich&quot; nachlesen, Thema:
Frauen setzen gleiche Zigarettenversorgung durch.....
https://hdgoe.at/frauen_setzen_gleiche_zigarettenversorgung_durch]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wahrscheinlich ist die &#8222;Raucherkarte M&#8220; für Männer und die &#8222;Raucherkarte F&#8220; für Frauen, welche nur die halbe Tabakration wie die Männer erhielten. Ab 1948 erhielten Männer und Frauen dann die gleiche Tabakration, weshalb der Zusatzbuchstabe entfallen konnte.</p>
<p>Mehr zu diesem Thema kann man auch beim &#8222;Haus der Geschichte Österreich&#8220; nachlesen, Thema:<br />
Frauen setzen gleiche Zigarettenversorgung durch&#8230;..<br />
<a href="https://hdgoe.at/frauen_setzen_gleiche_zigarettenversorgung_durch" rel="nofollow ugc">https://hdgoe.at/frauen_setzen_gleiche_zigarettenversorgung_durch</a></p>
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