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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
The Kids Are Alright

The Kids Are Alright

Es gibt Kinderfotos, die man, wenn man das abgebildete Wesen kennt oder sich an die Situation der Entstehung erinnert, immer wieder gern anschaut. Und es gibt Kinderbilder, die man auch ohne nähere Information gern erforscht, weil die Situation außergewöhnlich war, die Komposition besonders gelungen oder weil man hofft, jemanden zu erkennen. Und es gibt gelegentlich Aufnahmen, die man lange betrachten will, weil sie einfach so gut gemacht sind. Das Titelfoto hier ist aus dieser Gruppe.

Besonders viel wissen wir nicht über das Bild. Es stammt aus der Fotoschublade des Karl-Heinz Klee (*1930), könnte aber die Kindergartengruppe seines um einige Jahre älteren Bruders Wolfgang (*1922) zeigen. Die undatierte Szene ist natürlich bei den Barmherzigen Schwersten eingefangen und dürfte somit fast 100 Jahre alt sein. Die Kinder nehmen alle direkten Kontakt mit dem Fotografen auf und zeigen dafür sorgfältig ausgesuchte Attribute vom Matador-Transformer bis zum Flohhütchenspiel, einer Serie von „Fügs-Ein“-Herausforderungen, Kreisel-Lochbrettern und Storycards mit Tieren. Der Kasten links wurde von den drauf sonst angepinnten Zeichnungen befreit, im Kasten hinten sind jahreszeitliche Baum- und Engelgruppen drapiert, die vermutlich eine Krippenlandschaft dekorieren werden. Hinter der Tante/Schwester erscheinen ein Schneewittchenmotiv, eine Hauswirtschaftsszene mit Maus auf der Budel und ein vermutlich selbstgezeichnetes Gadsenbild. Das Licht im Raum ist hell, indirekt und natürlich, die Belichtungszeit dürfte nicht allzu lang gewesen sein; die Burschen der erste Reihe sind leicht außerhalb des Tiefenschärfespektrums des Objektivs gelandet oder konnten einfach gerade nicht ruhig sitzen.

Die Kinder sind gut und praktisch, besonders aber warm angezogen. Alle Burschen haben Strumpfhosen an oder haben angeklipste Langsocken an ihren kurzen Wollhosen montiert. Die Patschenmodelle variieren stark, einige davon glaube ich aus den 1970er Jahren noch zu kennen. Viele Mädchen tragen Schürzen und Kinderkasacks über ihren Pullis. Die jungen Leute strahlen aus, gern hier zu sitzen und für ein paar Stunden den pädagogischen Vorträgen und Anleitungen ihrer Aufsichtspersonen zu folgen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Mit großem Schreck und mit viel Mitleid habe ich jetzt auf die drei Buben im Vordergrund geschaut, auf ihre wollenen Strümpfe mit den Strapsen. Den dazugehörigen Strumpfgürtel, auch die kurze Hose, hatte meine Mutter selbst genäht und so wurde ich in die Schule geschickt, 1942, in die erste Klasse der Pradler Volksschule. Nur gut, dass wir alles Knaben waren, dass wir alle gleich ausgeschaut haben und die Mädchen weit weg einen eigenen Schuleingang hatten. Da half kein Rearn und Rotzen.

  2. Unter einem Matadortransformer stelle ich mir ein Gerät vor, kraft dessen ein Stierkämpfer in einen Tierschützer verwandelt werden kann. Und ein Gadsenbild ist für mich die für social media performance grammatikalisch völlig korrekte Bezeichnung der Darstellung von Minki, Maunzi und dem Kater Agamemnon-Herkules. (Antwort „geil!!! scheniaaaal!!!“ )

    Was mit den stylischen, bis in die 70er getragenen Patschen gemeint ist, glaube ich zu wissen: Hellbraun-rotbraunes Karomuster einer Pelzimitation, knöchelhoch und mit einer mehrstufigen braun lackierten
    Blechschnalle zu schließen. Das Mädchen am ersten Damentisch hat so was an, oder? Und oben herum eine Stulpe aus dem gleichen Material wie das Innenfutter.

    Die turmartige Schwesternhaube hätte ich auf spätestens 30er Jahre geschätzt.

  3. Ach ja, an diese Patschen kann ich mich auch erinnern. Die beige-braun karierten hießen bei uns „Brennerpatschen“, sah man damals oft, wurden wohl zu Hauf an den Markttagen am Brenner erstanden. Das Mädchen vorne rechts hatte schon modernere. Solche hätte ich auch gerne gehabt. Die waren aus Kunstleder, es gab sie in rot und schwarz. Oben am Rist hatten sie zwei u-förmige, elastische Einsätze, sodass sie ganz eng an den Füßen saßen. Ich hingegen bin mit dem Modell „handmade by mum“ herumgelaufen, wie sie der Bub vorne links trägt. Schön von meiner Mutter mit festen Maschen gehäkelt, oftmals auch aus Wollresten, dann waren sie etwas bunter, und mit einer Sohle aus Filz versehen. Nicht so modern wie die Kunstleder-Modelle, dafür konnte man mit den selbst gemachten gut rutschen. Anlauf genommen und los ging’s. Schauen, wer in der Schule auf dem langen Gang mit dem Steinfußboden am weitesten kam. Da hatten „die Kunstledernen“ das Nachsehen.

    Meine Brüder waren aber weitaus schlimmer dran. Die Armen wurden auch in solche kurzen Hosen mit Strümpfen gesteckt und haben sich darin mehr als unwohl gefühlt. Ich würde sogar behaupten, sie haben ein „Kurze-Hosen-Trauma“ davongetragen, wenn ich mich so an ihre Erzählungen erinnere. Dass sie nicht die Einzigen waren, die mit diesem Outfit in die Schule geschickt wurden, war ihnen, auch wenn es stimmte, wenig Trost.

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