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	Kommentare zu: Das Atlantis der Berge (II.)	</title>
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	<description>Ein Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum</description>
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		Von: Henriette Stepanek		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henriette Stepanek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Mar 2025 08:41:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Und schon wieder sitze ich im Geiste in der Volksschule in Fritzens, im Oberdorf.
Der Herr Oberlehrer, bei dem wir nunmehrigen &quot;Drittklassler&quot; seit ein paar Tagen in den ersten  vorderen paar Schulbänken des riesigen Klassenzimmers saßen, erzählte uns mit leuchtenden Augen etwas von &quot;Paris&quot; und be-
schloß seine Erzählung mit den Worten:
&quot;Jetz kimmt Südtirol wieder zu Öschterreich!&quot;
Ja, wenn man  - so wie er! - aus Tschengls im Vinschgau gebürtig war - und noch ahnungslos  gewese n war, daß es so etwas wie eine Grenze am Brenner geben könnte, als man, in Jugendtagen, von Innsbruck mit dem Zug südwärts fahrend, schnell bei der Haltestelle Schelleberg (Moncucco, so ein Blödsinn, so hats nia ghoaßn) aus dem Zug gesprungen und den Weg zum Bahnhof Gossensaß hinuntergerannt war, wo die Kellnerin, die Rosl (oder wars doch die Anna?) schon mit einem Tablett voller eingeschenkter Weinglasln gewartet habe, deren eins man rasch hinunterstürzte, um wieder den eben im Bahnhof Gossensaß einlaufenden Zug wieder zu besteigen 
 - - - um am nächsten Tag in seinem grauen Arbeitsmantele zunächst stumm und verlegen 3x vor der großen Tafel hin und her zu gehen, um dann mit gesenktem Kopf kleinlaut und leise zu verkünden:
&quot;Jetz kimmt Südtirol decht nit zu Österreich...&quot;
Und ich kann mich nicht erinnern, daß er an diesem Tage mit uns Singstunde gehalten hat - und schon gar nicht &quot;Wohl ist die Welt so groß und weit...&quot; wie sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Ins Merkheft haben wir einmal - aber vielleicht erst in der Vierten - von der großen Tafel herab &quot;Südtirol&quot; abzeichnen dürfen - Etsch - und Eisack - und die Passer - und die Rienz - und dann mußten wir - ganz zart in Rosarot - bis Meran und bis Brixen - den &quot;Hauch des Südens&quot; hineinmalen -&quot;weil bis dahin wachsen die Trauben...&quot;
Heimweh hatte er halt, dieses ansonsten grimmige Oberhaupt einer ganzen Lehrerdynastie.
Und sein bratschenspielender Enkel (zufällig auf Ma.Brettfall getroffen) rief glückselig zu seiner Frau hinüber: &quot;Denk dir, dee isch bei mein Opa Schual gangen...&quot;
(Ich hab ihm damals verschwiegen - und sags auch heute nicht, daß hinterm Kachelofen... ach was!)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und schon wieder sitze ich im Geiste in der Volksschule in Fritzens, im Oberdorf.<br />
Der Herr Oberlehrer, bei dem wir nunmehrigen &#8222;Drittklassler&#8220; seit ein paar Tagen in den ersten  vorderen paar Schulbänken des riesigen Klassenzimmers saßen, erzählte uns mit leuchtenden Augen etwas von &#8222;Paris&#8220; und be-<br />
schloß seine Erzählung mit den Worten:<br />
&#8222;Jetz kimmt Südtirol wieder zu Öschterreich!&#8220;<br />
Ja, wenn man  &#8211; so wie er! &#8211; aus Tschengls im Vinschgau gebürtig war &#8211; und noch ahnungslos  gewese n war, daß es so etwas wie eine Grenze am Brenner geben könnte, als man, in Jugendtagen, von Innsbruck mit dem Zug südwärts fahrend, schnell bei der Haltestelle Schelleberg (Moncucco, so ein Blödsinn, so hats nia ghoaßn) aus dem Zug gesprungen und den Weg zum Bahnhof Gossensaß hinuntergerannt war, wo die Kellnerin, die Rosl (oder wars doch die Anna?) schon mit einem Tablett voller eingeschenkter Weinglasln gewartet habe, deren eins man rasch hinunterstürzte, um wieder den eben im Bahnhof Gossensaß einlaufenden Zug wieder zu besteigen<br />
 &#8211; &#8211; &#8211; um am nächsten Tag in seinem grauen Arbeitsmantele zunächst stumm und verlegen 3x vor der großen Tafel hin und her zu gehen, um dann mit gesenktem Kopf kleinlaut und leise zu verkünden:<br />
&#8222;Jetz kimmt Südtirol decht nit zu Österreich&#8230;&#8220;<br />
Und ich kann mich nicht erinnern, daß er an diesem Tage mit uns Singstunde gehalten hat &#8211; und schon gar nicht &#8222;Wohl ist die Welt so groß und weit&#8230;&#8220; wie sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit.<br />
Ins Merkheft haben wir einmal &#8211; aber vielleicht erst in der Vierten &#8211; von der großen Tafel herab &#8222;Südtirol&#8220; abzeichnen dürfen &#8211; Etsch &#8211; und Eisack &#8211; und die Passer &#8211; und die Rienz &#8211; und dann mußten wir &#8211; ganz zart in Rosarot &#8211; bis Meran und bis Brixen &#8211; den &#8222;Hauch des Südens&#8220; hineinmalen -&#8222;weil bis dahin wachsen die Trauben&#8230;&#8220;<br />
Heimweh hatte er halt, dieses ansonsten grimmige Oberhaupt einer ganzen Lehrerdynastie.<br />
Und sein bratschenspielender Enkel (zufällig auf Ma.Brettfall getroffen) rief glückselig zu seiner Frau hinüber: &#8222;Denk dir, dee isch bei mein Opa Schual gangen&#8230;&#8220;<br />
(Ich hab ihm damals verschwiegen &#8211; und sags auch heute nicht, daß hinterm Kachelofen&#8230; ach was!)</p>
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