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	<title>Verena Kaiser &#8211; Innsbruck erinnert sich</title>
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	<description>Ein Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum</description>
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	<title>Verena Kaiser &#8211; Innsbruck erinnert sich</title>
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		<title>D wie Dunkle Seiten: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil XI)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 07:34:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;A Umzug oder a Brauchtumsschaugn begeistert fast alle Leit. A Juchitzer und a dreifaches Hoch auf die heilige Faschingszeit.&#8220; Die Volksmusikgruppe Juhe aus Tirol veröffentlichte im Jahr 2024 das Lied A Hoch auf die Faschingszeit, aus dem diese einleitenden Zeilen&#8230;]]></description>
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<p class="has-text-align-center"><em>&#8222;A Umzug oder a Brauchtumsschaugn begeistert fast alle Leit. A Juchitzer und a dreifaches Hoch auf die heilige Faschingszeit.&#8220; </em></p>



<p>Die Volksmusikgruppe<em> Juhe aus Tirol</em> veröffentlichte im Jahr 2024<em> </em>das Lied <em>A Hoch auf die Faschingszeit</em>, aus dem diese einleitenden Zeilen stammen. Die Band bringt damit zum Ausdruck, welchen Stellenwert die Fasnacht in Tirol hat &#8211; nämlich den einer heiligen Praxis. So wichtig mir die Fasnacht auch persönlich ist und so sehr ich am liebsten einen schwärmerischen Beitrag nach dem anderen verfassen möchte, halte ich es zugleich für notwendig auch über die kritischen Aspekte zu schreiben, die Teil der Fasnacht waren und zum Teil bis heute sind. Denn wie die nachfolgenden Zeilen zeigen werden, war die Fasnacht keineswegs immer heilig.</p>



<p>Unser heutiges Foto stammt aus einem Zeitungsartikel, der über den Fasnachtsumzug in Thaur im Februar 1939 berichtete. Es zeigt die Faschingsfigur des &#8222;Juden&#8220;, die &#8222;das ganze Dorf in ihren Geschäftsbereich&#8220; einbezogen haben soll. Die &#8222;Juden&#8220; standen nicht direkt mit dem Mullen in Verbindung, sondern bildeten eine eigenständige Gruppe, die nach den Faschingswägen auftrat. </p>



<p>Wie so viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Tirol blieb somit auch die Fasnacht nicht von der nationalsozialistischen Ideologie unberührt. Die Umzüge wurden gezielt dafür eingesetzt, um die eigene Propaganda in der Bevölkerung zu verbreiten. Im selben Artikel wird im Zusammenhang mit dem Mullen von einem &#8222;uralten volkstümlichen Faschingsbrauch&#8220; gesprochen (Innsbrucker Nachrichten, Nr. 30, 6.2.1939, S. 6). Der Kunsthistoriker und ehemalige Direktor des Tiroler Volkskunstmuseums Josef Ringler (1893-1973) definierte bereits zwei Jahre zuvor das Mullen als einen &#8222;alten deutschen Volksbrauchtum&#8220; (Allgemeiner Tiroler Anzeiger, Nr. 30, 6.2.1937, S. 6).</p>



<p>Die Vorstellung einer „deutschen Volkskultur“ war jedoch keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern reichte deutlich weiter zurück. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich die Vorstellung einer statischen Volkskultur, die für die nationale bzw. regionale Identitätsstiftung genutzt wurde. Die Deutung der Fasnachtsbräuche wurde aktiv für den Entwurf einer gemeinsamen Identität verwendet. Vor allem in der dörflichen Fasnacht wollten die rechtskonservativen Kreise einen Kern tirolischer Identität erkennen, die das Gegenstück zur Hektik und Dekadenz des modernen Großstadtlebens bilden sollte (Neuburger, 2017, S. 347). Nach dem &#8222;Anschluss&#8220; Österreichs an das Deutsche Reich 1938  wurde die Fasnacht gezielt als germanischer Volksbrauch inszeniert, der zudem die Unterschiede der &#8222;Völker&#8220; aufzeigt. Während also die Thaurer Muller ihren &#8222;bis auf germanische Wurzeln zurückreichenden Brauch&#8220; praktizierten, und den Kampf &#8222;des Sommers gegen den Winter, des Guten gegen das Böse&#8220; darstellten (Deutsche Volkszeitung, Nr. 30, 6.2.1939, S. 3) zogen die &#8222;handelseifrigen Juden&#8220; (Innsbrucker Nachrichten, 6.2.1939) am Publikum vorbei und symbolisierten offenbar das Vorurteil, das Juden eine auf finanzielle Macht und Profitstreben ausgerichtete Bevölkerungsgruppe seien. In diesem Zuge verlor die Fasnacht ihren religiösen Bezug. Statt ausgelassenen Feierlichkeiten vor der strengen Fastenzeit stand nun &#8222;die Rettung und Sicherung unseres Bauerntums&#8220; im Vordergrund, indem die &#8222;Fest- und Feierabendveranstaltungen [&#8230;] eigenes heimatverwurzeltes Denken, Fühlen und Gestalten stärken. [&#8230;] Die Dorfgemeinschaft soll mithelfen, daß die rassischen und seelischen Kräfte unseres Bauernvolkes nicht versiegen&#8220; (Innsbrucker Nachrichten, 18.2.1939, S. 2). Fremde Einflüsse, die das Brauchtum ergänzten, lehnten die Nationalsozialisten ab, denn &#8222;die alten Tiroler Volksbräuche tragen ihr eigenes bodenständiges Leben in sich und haben es nicht nötig, städtische Formen zu übernehmen.&#8220; Die Gestaltung der Fasnacht lag somit nicht in den Händen der Dorfgemeinschaft, sondern war eine Angelegenheit der Politik. </p>



<p>Die Germanenthese und die Loslösung von der Religion waren folglich zentrale Bestandteile der Gestaltung der Fasnacht im Sinne des Nationalsozialismus. Diese Richtlinien wurden 1939 auch in einem Leitfaden der NS-Organisation <em>Kraft durch Freude</em> schriftlich festgehalten, die für die Bildung einer Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen verantwortlich war. Die &#8222;Deutsche Fasnacht&#8220; soll demnach nicht mehr mit dem kirchlichen Kalender, sondern mit dem &#8222;germanischen Erbe&#8220; in Verbindung gebracht werden. Hierfür schufen Volkskundler und andere zeitgenössische Wissenschaftler aus heutiger Sicht fragwürdige Ursprungsthesen, die bis zum Stamm der Langobarden in Skandinavien reichten. Sie versuchten, eine germanisch-deutsche Kulturkontinuität und damit einhergehend eine künstliche Überlegenheit gegenüber den &#8222;anderen Völkern&#8220; zu erzeugen. Auch der bis heute vielzitierte Volkskundler Anton Dörrer (1886-1968) stellte in seinen Ausführungen Verknüpfungen zu alten germanischen Stämmen her. Im Zusammenhang mit dem Schemenlaufen in Tirol schrieb er 1938 etwa:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die allein in Tirol mehr üblichen Bezeichnungen Schemen [&#8230;] und Larven sind alt. Sie begegnen uns zum erstenmal in einer Pergamenthandschrift des 13. Jahrhunderts, die ursprünglich einem Tiroler Kloster [&#8230;] gehörte [&#8230;]. Die Worte bedeuten dort Gespenst, Dämon, und weisen auf die Maske als Schein, Erscheinung, Schattenbild, ursprünglich Totenseele hin, während das langobardische Wort masca einen Vermummten bedeutet, der mit seiner Netzumhüllung einen Geist darstellt [&#8230;]. (Dörrer, 1938, S. 81)</p>
</blockquote>



<p>Die NS-Geschichte der Fasnacht in Tirol wurde laut dem dem Soziologen Tobias Neuburger bisher kaum erforscht und wird in größeren Überblicksdarstellungen bis heute regelmäßig ausgespart. Allerdings wäre eine Auseinandersetzung mit der Thematik wichtig, da die damals veröffentlichten wissenschaftlichen Abhandlungen zur Fasnacht heute noch regelmäßig zur Darstellung der Geschichte der einzelnen Brauchtümer herangezogen werden. Sie zogen &#8222;handlungspraktische Implikationen&#8220; nach sich, die &#8222;teilweise bis heute nachwirken&#8220; (Neuburger, 2017, S. 347) und sind daher mit Vorsicht zu verwenden. Die Artikel von Dörrer und Co. sind nicht als „Regelwerke“ zu verstehen, die festlegen, wie ein Brauch auszuüben sei, da sie Kultur – wozu auch Brauchtum gehört <strong>&#8211; </strong>aus dem historischen Kontext lösen und ihr eine Kontinuität zuschreiben, die den dennoch stattfindenden Wandel der Gesellschaft ignoriert. Das hat zur Folge, dass Veränderungen innerhalb eines Brauchtums als Störfaktoren wahrgenommen werden, gegen die man sich vehement zur Wehr setzt. Möglicherweise haben Sie die Diskussion über Frauen als Gewehrträgerinnen bei den Tiroler Schützen verfolgt. Dies wäre ein aktuelles Beispiel für ein solches Phänomen, auch wenn es außerhalb der Fasnacht liegt.</p>



<p>Historische Schriftquellen zur Tiroler Fasnacht oder anderen Brauchtümern sollten daher immer in ihrem jeweiligen historischen Kontext betrachtet werden, was einen dynamischen Zugang zu besagten Traditionen eröffnet. Die Verherrlichung eines Brauchtums (&#8222;Des hamma imma scho so gmacht&#8220;) als uralte unveränderbare &#8222;Volkskultur&#8220; gilt es kritisch zu hinterfragen. Denn untrennbar verbunden mit der Annahme einer Kontinuität von Kultur ist die Praxis der Unterscheidung, Abwertung und Ausgrenzung (Neuburger, 2017, S. 356). Dies ermöglichte es den Nationalsozialisten, den Fasnachtsumzug in Thaur 1939 gezielt einzusetzen, um vermeintliche kulturelle Gegensätze zwischen der eigenen lokalen Tradition (den Thaurer Mullern) und den „fremden&#8220; Juden herauszustellen, wobei diese Zuschreibungen auf rassistischen Vorurteilen beruhten und die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus der Gesellschaft begünstigten. Ausgrenzung kann aber auch auf einer anderen Ebene stattfinden. Ein gegenwärtiges Beispiel ist etwa die Tatsache, dass Frauen im Rahmen von vielen Tiroler Fasnachtsbräuchen nach wie vor nur im Hintergrund mitwirken dürfen, &#8222;weils imma scho so gwesen isch&#8220; &#8211; und das zu einer Zeit, in der die Gleichberechtigung in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen längst weiter fortgeschritten ist. Von dieser Unlogik ausgehend stellt sich die Frage, ob in einer Gesellschaft, die einem ständigen Wandel unterliegt, nicht auch die Fasnacht künftig Veränderungen zulassen sollte?</p>



<p>Kann Brauchtum nicht auch gelebt werden, wenn Larven von Frauen getragen werden? Ist die Darstellung vermeintlich &#8222;fremder&#8220; Menschen (&#8222;Exoten&#8220;) bei der Fasnacht noch zeitgemäß? Fragen über Fragen, deren Beantwortung ich hier bewusst offenlasse. Sie können sich meine Meinung diesbezüglich womöglich ohnehin schon denken. Ich wollte im Rahmen dieses Beitrags lediglich zum Nachdenken anregen und lade Sie recht herzlich zu einer sachlichen (!) Diskussion in den Kommentaren ein. Damit schließe ich die Serie zur Tiroler Fasnacht pünktlich zum Beginn der Faschingszeit. Ich hoffe, dass der ein oder andere interessante Artikel für Sie dabei war. Für mich heißt es nun, mich unter das Publikum zu mischen und vielleicht den ein oder anderen Freitanz zu genießen.</p>



<p>(Foto: Innsbrucker Nachrichten, Nr. 30, 6.2.1939, S. 6)</p>



<p></p>
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		<title>I wie Imster Schemenlauf: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil X)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2025 13:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport und Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser heutiges Beitragsbild zeigt einen Roller zur Linken und seinen Scheller zur Rechten. Für einen kurzen Moment posierten sie vor der Kamera &#8211; als Vertreter einer jahrhundertealten Tradition. Die beiden Figuren gehören zum Imster Schemenlaufen, das im Mittelpunkt des heutigen&#8230;]]></description>
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<p>Unser heutiges Beitragsbild zeigt einen Roller zur Linken und seinen Scheller zur Rechten. Für einen kurzen Moment posierten sie vor der Kamera &#8211; als Vertreter einer jahrhundertealten Tradition. Die beiden Figuren gehören zum Imster Schemenlaufen, das im Mittelpunkt des heutigen Beitrags steht. Aufgenommen wurde das Foto in Imst in der Pfarrgasse, die circa 15 Minuten vom Imster Stadtplatz entfernt ist. Ursprünglich haben wir vermutet, dass die beiden Figuren in Arzl bildlich festgehalten wurden, was sich allerdings als Missverständnis herausstellte. Bezüglich der Datierung der Fotografie sind wir uns ebenso noch unsicher. In unserer Datenbank ist sie unter dem Jahr 1968 abgespeichert, allerdings muss sie schon früher entstanden sein, da das Spalier an der Hausfassade im Hintergrund zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr vorhanden war. Hier tappen wir noch im Dunkeln.</p>



<p>Wie bei vielen anderen Brauchtümern auch, ist der genaue Ursprung des Imster Schemenlaufens unklar. Die ersten Volkskundler im 19. Jahrhundert sahen darin einen heidnischen Segenskult aus vorgeschichtlichen Zeiten. So wurden altgermanische Fruchtbarkeitsfeiern, die griechischen Dionysien &#8211; Feste zu Ehren des Weingottes <em>Dionysos</em> &#8211; oder die römischen Luperkalien &#8211; die Hauptfeierlichkeiten für den Herdengott <em>Faunus</em> &#8211; als Vorläufer des Schemenlaufens interpretiert. Aus Sicht der heutigen Brauchtumswissenschaft fällt der Beginn der Fasnacht hingegen erst in das Spätmittelalter mit der aufkommenden Lustbarkeit. Im liturgischen Festkalender der mittelalterlichen Kirche soll der Fasching im Zusammenhang mit der nachfolgenden Fastenzeit einen fixen Platz gehabt haben.</p>



<p>Ein früher Hinweis auf die Imster Fasnacht findet sich in einem landesfürstlichen Befehl aus dem Jahre 1667, der an das örtliche Gericht ging. Er besagt, &#8222;das [&#8230;] ietzt bevorstehendte Fasnachtszeit bis abendts auf Ave Mariae Leiten [&#8230;] offentlichn Dänz, als auch Mascaraten [&#8230;] zuegelassen sein sollen&#8220; (zit. nach Waltner, 1996, S. 71). In Pfunds fand 1775 ein <em>Schemenprozeß</em> statt, nachdem die Burschen des Ortes sich nicht an das zuvor ausgesprochene Fasnachtsverbot gehalten hatten und gleich fünfmal zum Schemenlaufen ausgerückt waren. Nach dem verheerenden Großbrand in Imst im Jahre 1822, den mündlichen Überlieferungen zufolge nur 14 der damals bestehenden 220 Häuser überstanden haben sollen, konnte so mancher Imster Fasnachtler nur sein &#8222;Larvl&#8220; aus den Flammen retten. Vor dem 19. Jahrhundert sind Informationen zur Fasnacht primär in Alltagsquellen auffindbar. Erst  im Zusammenhang mit dem aufkommenden Nationalitätenbewusstsein begann die genaue Dokumentation des Brauchtums. Der Dichter und Volkskundler Karl von Lutterotti (1793-1872) fertigte etwa Skizzen zur Imster Fasnacht an; von ihm stammt auch ein bekanntes Aquarell vom Schemenlaufen, das zwischen 1830 und 1840 entstanden sein soll &#8211; dazu kursieren in der Literatur und im Internet unterschiedliche Angaben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-dominant-color="959da8" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #959da8;" fetchpriority="high" decoding="async" width="769" height="600" src="https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/12/Carl_von_Lutterotti_Imster_Schemenlaufen_c1830-1.webp" alt="" class="wp-image-81179 not-transparent" srcset="https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/12/Carl_von_Lutterotti_Imster_Schemenlaufen_c1830-1.webp 769w, https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/12/Carl_von_Lutterotti_Imster_Schemenlaufen_c1830-1-300x234.webp 300w" sizes="(max-width: 769px) 100vw, 769px" /></figure>



<p class="has-text-align-center">Karl von Lutterotti, Imster Schemenlaufen, Wikimedia Commons</p>



<p>Das Wort Schemen stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet eine spukhafte Erscheinung bzw. ein Trugbild. Der Umzug fand bis ins 20. Jahrhundert jährlich statt, jedoch wurde der Aufwand immer größer, weshalb man schlussendlich zu einem Vier-Jahres-Rhythmus überging. Immer am Sonntag vor dem Unsinnigen Donnerstag findet die Aufführung statt. Die Hauptfiguren der Inszenierung sind die Roller und Scheller, wie sie auch auf unserem Beitragsbild zu sehen sind. Beide Figuren zusammen bilden jeweils ein Paar. Der Roller trägt eine jugendliche Larve mit weiblichen Zügen, der Kopfputz ist mit Kunstblumen verziert und hat einen Spiegel in der Mitte, der zur Dämonenabwehr dienen soll. Die Hüften des Rollers ziert das sogenannte <em>Gröll</em> &#8211; ein mit 40 bis 48 Rollen besetzter Ledergurt. Mit tänzelnden Bewegungen zieht er am schaulustigen Publikum vorbei und schwingt dabei den <em>Pemsl </em>(Pinsel) aus gehobelten in sich gedrehten Holzspänen hin und her, was im Ort als <em>Schlånz</em> bekannt ist. Der Scheller symbolisiert das Gegenstück zum Roller. Seine Larve hat markantere Gesichtszüge, einen kraftvoll geschwungenen Schnurrbart und ist eher dunkel gehalten. Seine Garderobe besteht aus einer Lederkniehose, einem Tuch, das den Oberkörper und den Hinterkopf bedeckt, sowie dem Kopfschmuck, der nach oben spitz zuläuft und mit Seidenblumen, einem Spiegel und anderen Schmuckelementen versehen ist.</p>



<p>Beide Figuren tragen zudem Glöckchen (Roller) und Schellen (Scheller) und verleihen dem Umzug somit einen ganz eigenen Klang, wobei das helle Klingeln des Rollers einen Kontrast zum dunklen Schall der Schellen bildet. Der Scheller symbolisiert den Winter, während der Roller den Frühling verkörpert. Sie treten stets farblich abgestimmt auf: rot, rosa, hellblau oder hellgrün. Wer sich die Figuren einmal live ansehen will, muss sich allerdings noch etwas gedulden. Das nächste große Schemenlaufen findet nämlich erst im Februar 2028 statt. Am 8. Februar 2026 findet die<em> Buabefåsnåcht</em> &#8211; die Imster Kinderfasnacht &#8211; bei der die Jugend versucht, in die Fußstapfen der erwachsenen Fasnachtler zu treten. Wer das Spektakel einmal live sehen möchte, kann dies nur in Imst selbst tun. Gastauftritte gab und gibt es von dieser Brauchtumsgruppe bis dato nicht.</p>



<p>(zuletzt bearbeitet am 6.1.25; Foto: Stadtarchiv Innsbruck, Ph-5518)</p>



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<p></p>
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		<title>W wie Weibermühle &#8211; Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil IX)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 07:25:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den heutigen Beitrag müssen wir in keine weit entfernte Tiroler Gemeinde reisen, sondern nur in den benachbarten Stadtteil. Anlässlich der Fasnacht 1930 fuhr die Höttinger Altweibermühle durch die Straßen und zog gemeinsam mit anderen Umzugswägen eine schaulustige Menge an.&#8230;]]></description>
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<p>Für den heutigen Beitrag müssen wir in keine weit entfernte Tiroler Gemeinde reisen, sondern nur in den benachbarten Stadtteil. Anlässlich der Fasnacht 1930 fuhr die Höttinger Altweibermühle durch die Straßen und zog gemeinsam mit anderen Umzugswägen eine schaulustige Menge an. Festgehalten wurde der Moment mit einer Stereokamera.</p>



<p>&#8222;Nur ein Mühlensprung und du bist wieder jung!&#8220; Mit diesem Slogan warb die Weibermühle für ihre Dienstleistungen. Erste Überlieferungen der Mühle stammen aus dem 17. Jahrhundert, wobei das Fasnachtssingspiel &#8222;Die Weibermühle von Tripstrill&#8220; vom schwäbischen Lehrer Georg Anton Bredelin (1752-1814) eine der bekanntesten Quellen ist. Es ist das älteste derzeit noch aufgeführte Faschingsschauspiel. Für den Tiroler Raum wissen wir, dass die Weibermühle seit dem 19. Jahrhundert zum Fasnachtsbrauchtum gehört. Früher waren es Pferdekutschen, die den Wagen durch das Dorf zogen. Heute erledigt das in der Regel ein Traktor.</p>



<p>Die Altweibermühe ist eine Variation des Jungbrunnen-Motivs. Auf &#8222;magische&#8220; Art und Weise werden alte Frauen &#8211; alle Figuren werden von Männern verkörpert &#8211; in junge adrette Damen verwandelt. Die Seniorinnen haben an und für sich nichts gegen ihr Aussehen, allerdings können ihre Ehemänner nicht mit dem natürlichen Alterungsprozess ihrer Liebsten umgehen. Sie sind diejenigen, die die Frauen zur Mühle bringen und den Müllern zur &#8222;Verarbeitung&#8220; übergeben. Die Müller stopfen die &#8222;Weiber&#8220; in den Mühlenschacht, woraufhin die Mühle manuell in Betrieb genommen wird. Erfreut vom neuen Aussehen, nehmen die Männer ihre Ehefrauen wieder in Empfang und teilen ihr Glück lautstark mit dem Publikum.</p>



<p>Die Weibermühle ist ein fixer Bestandteil vieler Tiroler Faschingsumzüge, unter anderem in Axams, Hötting oder Absam. Aber auch in Mittenwald und beim Traminer Egetmann in Südtirol ist der Wagen zu sehen.</p>



<p>(Foto: Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-K-640-0-0-0)</p>



<p></p>
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		<item>
		<title>H wie Hexe: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil VIII)</title>
		<link>https://innsbruck-erinnert.at/h-wie-hexe-das-tiroler-fasnachts-lexikon-teil-viii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 07:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Imst, Patsch, Thaur &#8211; Das sind nur drei Gemeinden, in denen die Hexen zur Fasnacht ihr Unwesen treiben. Es handelt sich um eine weit verbreitete Figur, die vor allem in Alpenländern wie die Schweiz oder Österreich beheimatet ist. Die Fasnachtshexe&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Imst, Patsch, Thaur &#8211; Das sind nur drei Gemeinden, in denen die Hexen zur Fasnacht ihr Unwesen treiben. Es handelt sich um eine weit verbreitete Figur, die vor allem in Alpenländern wie die Schweiz oder Österreich beheimatet ist.</p>



<p>Die Fasnachtshexe hat ihren Ursprung im Mittelalter bzw. der frühen Neuzeit, als Hexenverfolgungen eine gängige Praxis im frühmodernen Strafrecht waren. Zwischen 1550 und 1650 wurden gezielt Frauen hingerichtet, die der Hexerei und Zauberei bezichtigt wurden, da sie angeblich in einem Bündnis mit dem Teufel standen. Schon damals sollen Männer in Frauenkleidern sogenannte <em>wilde Weiber</em> dargestellt haben, die lange vor der Etablierung der heutigen Hexenfigur ein Bestandteil der schwäbisch-alemannischen und alpenländischen Fasnacht waren. In Tirol soll es die Hexe bereits seit dem 18. Jahrhundert geben, allerdings stieß ich bei meiner Recherche nur auf ungenaue Angaben. Der Anlass für die Datierung ist eine sogenannte <em>Hexenmutter-Larve</em>, die aus genau dieser Zeit stammen soll und angeblich bis heute existiert. Wo sie sich befindet, konnte ich jedoch nicht herausfinden. Eine Hexenmutter als Figur gibt es zum Beispiel beim Imster Schemenlaufen. Sie ist die Anführerin der Hexenbande und hält, mit einer Birkenrute ausgestattet, die ihr untergebenen Hexen auf Trab, die zur Hexenmusik tanzen.</p>



<p>Optisch greift das Hexenkostüm auf die stereotypische Darstellung zurück, wie sie etwa aus den Märchen der Gebrüder Grimm bekannt ist. Demnach zeigt unser heutiges Beitragsbild eine alte, hässliche, hinterlistig-wirkende Frau mit zerzausten Haaren und spitzen, hervorstehenden Zähnen. Die alte Tracht wurde schon einige Male notdürftig genäht und das Fransentuch bedeckt den Hals, sodass es zusammen mit der Larve und den angenähten Haaren ein stimmiges Ganzes bildet. In ihren Händen hält die Hexe einen Besen &#8211; ihr wohl wichtigstes Ausstattungsmerkmal. Je nach Region nutzt sie ihn auf ganz unterschiedliche Art und Weise: In den MARTHA-Dörfern kehrt sie beispielsweise das Böse weg und schafft Platz für die ihr nachfolgenden Frühlings- und Sommerfiguren. Meistens hat sie auch ein besonderes <em>Schnapsl </em>für die Erwachsenen sowie ein paar Zuckerl für die Kinder im Publikum dabei. In Absam wird etwa gerne Bärlauch-Schnaps oder einfach Salzwasser für den schnellen Durst ausgeschenkt. Bei den Patscher Schellenschlagerinnen schwingt die Hexe den Besen hingegen in der Luft und gibt damit den Takt an, in dem sich die Trägerinnen der Schellen bewegen müssen, damit diese einen rhythmischen Klang von sich geben. Das Patscher Schellenschlagen zählt zu den wenigen Fasnachtsbräuchen in Tirol, die von Frauen praktiziert werden &#8211; und das bereits seit 1958. Zwei Figuren der Patscher Schellenschlagerinnen sind vermutlich auch auf unserem Beitragsbild im Hintergrund erkennbar. Ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, da die Statur der Figuren auf mich eher männlich wirkt. Die Larven sehen aber jenen in Patsch durchaus ähnlich. Feststeht, dass das Schellenschlagen auch Teil der Narrenolympiade war, die 1972 durch die Maria-Theresien-Straße zog. Wenn meine Vermutung stimmt, stammte die Hexe auf unserem Foto ebenfalls aus Patsch und hatte demnach eine dirigierende Funktion bei diesem Auftritt.</p>



<p>(Foto: Stadtarchiv Innsbruck, Ph-17523-4)</p>



<p></p>
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		<item>
		<title>Z wie Zaggeler: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil VII)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 07:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Gelegentlich fällt mir ein Schwarz-Weiß-Foto in die Hände, bei dem ich mich frage, wie es wohl in Farbe aussehen würde. Dank des digitalen Zeitalters bleibt diese Frage nicht mehr unbeantwortet. Also habe ich auch bei unserem heutigen Fasnachtsbild ein wenig&#8230;]]></description>
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<p>Gelegentlich fällt mir ein Schwarz-Weiß-Foto in die Hände, bei dem ich mich frage, wie es wohl in Farbe aussehen würde. Dank des digitalen Zeitalters bleibt diese Frage nicht mehr unbeantwortet. Also habe ich auch bei unserem heutigen Fasnachtsbild ein wenig experimentiert und dabei eine interessante Entdeckung gemacht. </p>



<p>Wir versetzen uns zurück ins Jahr 1974 und stehen irgendwo in Thaur – wo genau, lässt die Bildbeschreibung leider offen. Gerade begeistert ein sogenannter Zaggeler die Menge, was zur Faschingszeit im Dorf nichts Ungewöhnliches ist. Allerdings &#8211; und hier kommt jetzt die Kolorierung ins Spiel &#8211; fand ich das Gewand der Figur in diesem Fall interessant. Dieses ist nämlich weiß, was mir weder persönlich als Zuschauerin noch in der Literatur oder in historischen Quellen untergekommen ist. Denn normalerweise tritt die Figur in völlig anderer Aufmachung auf.</p>



<p>Die Figur des Zaggelers &#8211; in Absam, Mils und Neustift im Stubaital zum Beispiel ist der Name Tschaggeler geläufiger &#8211; variiert je nach Dorf in ihrer Deutung. Typisch für die Kostümierung sind das blaue Gewand, an das circa 100  farbige Wollquasten genäht sind. Außerdem ist es mit kleinen Glöckchen verziert. Die Mitte ziert ein Gurt oder eine Federkielbinde, allerdings ohne Talerkette. Auf dem Kopf trägt er einen gelben Filzhut, der auf der linken Seite aufgebogen und auf der rechten Seite grün oder rot gefüttert ist. An den gebogenen Stulp sind 100 schwarze Hahnenfedern angenäht. Die Mitte ziert ein Spiegel, der von bunten Blumen umgeben ist, und der Hut ist zusätzlich noch mit einem Hasenfell überzogen. Die Larve zeigt das Gesicht eines jugendlich-fröhlich dreinblickenden Mannes und unterscheidet sich demnach vom grimmigen Gesichtsausdruck des Zottlers.</p>



<p>In Rum, Thaur und Fritzens hält der Zaggeler zum Beispiel einen Treimel &#8211; ein kleines Holzstück &#8211; in der Hand, das er zu seinen Bewegungen im Takt dreht und bewegt. In Absam trägt er eine Weidenrute bei sich, da die Figur dort das kommende Frühjahr symbolisiert. Sie fängt damit Menschen aus dem Publikum zum <em>Abmullen</em> ein. Weiden sind die ersten Pflanzen, die am Jahresanfang Knospen austreiben und werden auch von anderen Fasnachtsfiguren verwendet, die den Frühling darstellen sollen. In Hötting wiederum tritt der Zaggeler mit leeren Händen auf. In Mühlau, Rum und Thaur hingegen repräsentiert die Figur den Herbst, wobei die Quasten den bunten Herbstwald symbolisieren. Sie bewegt sich tanzend durch den Raum und folgt dabei dem von der Musik vorgegebenen Dreivierteltakt, womit sie in Kombination mit den Glöckchen einen eigenwilligen Klang von sich gibt.</p>



<p>(Foto: Stadtarchiv Innsbruck, Ph-17526, digital koloriert)</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-9-16 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<p class="wpex-roembed wpex-clr"><iframe title="Tiroler Brauchtum erklärt: Der Zaggeler&#x1f3ad; Kennst du den Brauch? #brauchtum #shorts" width="563" height="1000" src="https://www.youtube.com/embed/_XajfzzwZYw?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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<p></p>
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		<title>T wie Telfer Schleicherlaufen: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil VI)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 07:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport und Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;[&#8230;] wenn der Lateratråger schwingt und der Bär aus&#8217;n Meaderloch außa springt; nachher isch sie do, die schiane Fosnåchtzeit, die ins Telfer wohl am meist&#8217;n gfreit!&#8220; (Quelle unbekannt) Wir reisen für den heutigen Beitrag ins Tiroler Oberland. Alle fünf Jahre&#8230;]]></description>
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<p><em>&#8222;[&#8230;] wenn der Lateratråger schwingt und der Bär aus&#8217;n Meaderloch außa springt; nachher isch sie do, die schiane Fosnåchtzeit, die ins Telfer wohl am meist&#8217;n gfreit!&#8220;</em> (Quelle unbekannt)</p>



<p>Wir reisen für den heutigen Beitrag ins Tiroler Oberland. Alle fünf Jahre findet in der Marktgemeinde Telfs das sogenannte Telfer Schleicherlaufen statt, das seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der Ortskultur ist. Die ältesten Erwähnungen zur Fasnacht allgemein sind in Kopialbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts nachzulesen. Bei einem Kopialbuch handelt es sich um eine nachträglich angelegte Sammlung von Urkunden einzelner Bestände. Ein direkter Bezug zum närrischen Treiben in Telfs findet sich wiederum in einem Gerichtsakt vom 2. April 1612, wonach es im Zuge der Fasnacht vor Ort zu Raufereien gekommen sein soll:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
[&#8230;] des Pflegers zu Herttenberg [bei Pfaffenhofen, Anm.] und des Gerichtschreibers daselbs ungebürlich Verhaltens halber, das nemblichen dieselben als Sy negstverschinen Fasnacht von irem Gerichtsherrn, alda neben andern Personen mer zu Gast geladen und beruefft worden in ernents Gerichtsherren Behausung in Eurem und anderer Personen mer beyseyn, Unhendl angefanngen, mit einander geraufft und geschlagen, [&#8230;]. An Nicolaus Troyer/Zoller und Stadlmaister zu Telphs. (zit. nach Gapp, 1996, S. 152)</p>
</blockquote>



<p>Von solchen Vorkommnissen im Zusammenhang mit dem Faschingstreiben ist in Tiroler Gerichtsakten immer wieder die Rede, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass die jeweiligen Obrigkeiten in regelmäßigen Abständen versuchten, die Fasnacht zu verbieten. Bis ins Jahr 1830 lässt sich das Telfer Faschingsbrauchtum nur über Gerichtsakten rekonstruieren, erst dann entsteht im Rahmen eines langen amtlichen Schriftverkehrs eine ausführliche Beschreibung des Schleicherlaufens, aus dem hervorgeht, dass die Kerngruppen des Umzugs &#8211; Schleicher, Bären, Laninger, usw. &#8211; bereits bestanden. Von wesentlicher Bedeutung für die Weiterentwicklung der Telfer Fasnacht war auch der sogenannte &#8222;Fasnachtserneuerer&#8220; Josef Pöschl (1846-1906). Der Maler und Bildhauer war von 1889 bis 1891 Bürgermeister der Gemeinde und zudem der damalige Fasnachtsobmann. Er regte die Neugestaltung der Wagen und des Umzugs allgemein an. Über den Hut des Vorhupfers &#8211; der Anführer der Schleichergruppe &#8211; schrieb er beispielsweise: <em>&#8222;[&#8230;] der Vorhupfer trägt den Hut mit der Alphütte darauf, dies darf nie verändert werden.&#8220;</em> (nachzulesen bei Gapp, 1996, S. 156).</p>



<p>Am Anfang der Telfer Fasnacht steht das Naz-Ausgraben, das nicht vor dem Dreikönigstag stattfinden darf. Der Naz ist die Verkörperung der Fasnacht und wird am Ende der Festlichkeiten in Begleitung eines Trauerzuges wieder beerdigt. Nach zahlreichen einleitenden Bräuchen, wie etwa dem Bäreneinfangen oder die Umzüge der Baumflechten und Moose, findet am Faschingssonntag das Schleicherlaufen statt. Der Umzug beginnt im Ortsteil Lumma und wird von der Gruppe der Herolde angeführt. Sie haben zuvor die Fasnacht vor dem Landhaus in Innsbruck verkündet und den Landeshauptmann zu den Feierlichkeiten geladen. Die Herolde sind zu Pferd unterwegs, dabei verliest der Obmann den aus dem Jahr 1925 stammenden Ladspruch. Hier ein Auszug</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
[&#8230;] Das Spiel allein macht den Komödianten wie&#8217;s Predigen den Predikanten. Wer besser die Maskera spielt, kommt weiter, der andere bleibt ein Heiter. So allein in tausend Gestalten kann sich das Leben entfalten. [&#8230;] (Gapp, 1996, S. 164)</p>
</blockquote>



<p>Nach den Herolden folgt die Musikkapelle Telfs, bevor im Anschluss die Gruppe der vier Jahreszeiten auftritt. Sie ist seit 1955 Teil des Umzugs und sticht vor allem mit ihrem bunten Gewand hervor. Jeweils drei Reiter auf Haflingerpferden symbolisieren den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter, was nicht zuletzt am Hutschmuck zu erkennen ist. Aber auch die Kleidung der Reiter und das Geschirr der Pferde ist den Jahreszeiten entsprechend geschmückt. Anschließend folgt der Auftritt der Wilden &#8211; düster dreinblickende Waldgestalten mit Holzlarven &#8211; und des Laternenträgers, der sich um die eigene Achse drehend und mit der Laterne schwingend an der Menge vorbeibewegt.</p>



<p>Die Schleicher sind jedoch der Höhepunkt des Umzugs. Sie tragen riesige Hüte, auf denen Miniaturbühnen zu sehen sind, die Themen aus den Bereichen des bäuerlichen Lebens oder Sinnbilder (Turm, Drache, Windmühle, u. a.) zeigen. Auf unserem heutigen Beitragsbild &#8211; ein Plakat aus dem Jahre 1950, das in Innsbruck zu Werbezwecken genutzt wurde &#8211; ist links zum Beispiel ein Schleicher mit einem Drachen als Kopfschmuck zu sehen. Darüber hinaus tragen die Schleicher prächtige farbige Gewänder sowie Drahtgeflecht-Larven. Die Figuren marschieren hintereinander und bilden an einzelnen Aufführungsplätzen einen <em>Kroas</em> und vollführen Ehrentänze. Das Highlight der Schleichertänze ist der sogenannte <em>Doppler</em>. Dabei tanzt ein Schleicher die doppelte Anzahl von Sprüngen, sodass er einmal dem Vordermann ins Angesicht sehen kann und dann wieder so dasteht wie zu Beginn des Tanzes. Dieses Schauspiel verlangt eine ausgezeichnete Kondition und ein gut koordiniertes Zusammenspiel mit dem Vordermann. Das Aufspringen der Schleicher muss so getaktet sein, dass die Schellen gleichzeitig anschlagen. Nach den Schleichern folgen die Gruppen der Bären und der &#8222;Exoten&#8220;, die Laninger, die Vogler sowie die Festwägen. Die Laninger bilden den eigentlichen Abschluss des traditionellen Teils der Telfer Fasnacht, treten aber noch vor den Wägen auf, da sie als Fußtruppe unterwegs sind. Sie führen unter anderem ein Stück auf, das in einem turbulenten Streit endet. Zwar erscheint ein &#8222;Polizist&#8220;, aber die Laninger halten zusammen und vertreiben den Ordnungshüter. Im Anschluss stimmen sie das Laningerlied &#8211; die &#8222;Hymne&#8220; der Telfer Fasnacht &#8211; an.</p>



<p>(Foto: Stadtarchiv Innsbruck, Pt-1541)</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<p class="wpex-roembed wpex-clr"><iframe title="Schleicherlaufen: Telfer Fasnachtler auf Einladungstour in Innsbruck" width="980" height="551" src="https://www.youtube.com/embed/KMo7lqFqCO8?start=38&#038;feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
</div></figure>



<p></p>
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		<title>S wie Spiegeltuxer: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil V)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Nov 2025 13:46:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport und Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
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					<description><![CDATA[Fasching 1968: Schaulustige Innsbruckerinnen und Innsbrucker versammelten sich am Rennweg zum diesjährigen Mullerschaugn. Mit dabei waren unter anderem die Thaurer Muller – das verrät unser heutiges Beitragsbild, das zwei Spiegeltuxer und zwei Melcher aus der Gemeinde zeigt. Betritt ein Spiegeltuxer&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Fasching 1968: Schaulustige Innsbruckerinnen und Innsbrucker versammelten sich am Rennweg zum diesjährigen <em>Mullerschaugn</em>. Mit dabei waren unter anderem die Thaurer Muller – das verrät unser heutiges Beitragsbild, das zwei Spiegeltuxer und zwei Melcher aus der Gemeinde zeigt.</p>



<p>Betritt ein Spiegeltuxer den Raum, gilt ihm sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums. Grund dafür ist sein rund ein Meter hoher Kopfschmuck, der in historischen Quellen auch als <em>Altar</em> bezeichnet wird. Im 19. Jahrhundert trug die Figur daher den Namen Altartuxer, doch mit der Zeit setzte sich die heutige Bezeichnung Spiegeltuxer durch. Nachdem der Wiener Volkskundler Wilhelm Hein (1861–1903) 1897 das Huttlerlaufen in Rum beobachtet hatte, fasste er seine Eindrücke in einem Artikel zusammen, der 1899 in der <em>Zeitschrift des Vereins für Volkskunde</em> erschien. Darin beschrieb er den Altartuxer so detailliert, wie ich selbst es gar nicht könnte. Für die Figurenbeschreibung bediene ich mich daher nun seiner Worte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Vor der Kapelle trug ein maskierter Bursche eine Tafel mit der Aufschrift: ,Einigkeit macht stark.‘ Hinter ihr kamen drei sogenannte ,Altartuxer‘, die eigentlichen Schaffer auf der Alm, welche auf dem Tuxerhute einen mächtigen Aufbau (Altar) aus Kunstblumen trugen, in dessen Mitte sich ein Spiegel befand; ringsum war dieser Altar mit etwa 15 Schildhahnstössen und mit 50 bis 60 weissen Hahnenfedern, dem tirolischen Wahrzeichen ungebeugten Mannesmutes, besteckt. […] Die ganze Rückseite des Altars war mit herabwallenden bunten Seidenbändern behangen. Mit dem Altarhut fest verbunden trugen sie vor dem Gesichte eine aus Zirbenholz geschnitzte und bemalte Larve, […]. Die rote Brustweste (,Bruststück‘) war ganz mit silbernen Ketten mit echten Thalern behängt; darüber sass eine graue Joppe mit grünen Aufschlägen, auf deren Rückenseite ein buntes Seidentuch festgenäht war. Ein Ledergurt (Bauchranzen und Geldkatze zugleich) mit grossem spitz-ovalen Schild, der mit Pfauenfederkielen ausgestickte Sprüche (,Sei fröhlich‘ und dergl.) zeigte, eine gemslederne, unten an den Seiten ausgestickte Kniehose, Wadenstutzen und ganz moderne Stiefletten vervollständigten den Anzug. (Hein, 1897, S. 118–119)</p>
</blockquote>



<p>Nach dem Umzug erwarb Wilhelm Hein zwei Altartuxer-Ausstattungen für das Wiener Volkskundemuseum und griff dafür tief in die Tasche. Eine Larve mit Hahnenfedern kaufte er für 100 Kronen, für eine zweite – geschmückt mit Pfauenfedern – verlangten die Rumer Huttler etwa die Hälfte. Zum Vergleich: Im Jahr 1897 entsprachen 100 Kronen einer Kaufkraft von rund 1.862 Euro. Alternativ hätte man für diese Summe ungefähr 690 Kilo Brot oder 590 Liter Bier erwerben können. Folglich war Brauchtum im 19. Jahrhundert etwas, das sich nur wohlhabendere Dorfbewohner leisten konnten. Hahnenfedern kosteten zu dieser Zeit eine Krone pro Stück, Schildhahnstöße über drei Kronen. Für die 50 bis 60 Federn, die der Kopfschmuck benötigte, musste man das Geld erst einmal beisammenhaben. Wann genau der Spiegeltuxer als Figur in das Brauchtum integriert wurde, ist schwer zu sagen. Wilhelm Hein vermutete, dass sie „erst in späterer Zeit als ein neues Glied dem Huttlerlaufen eingefügt wurden“, da in früheren Beschreibungen der Muller vor 1850 keine Erwähnung dieser Figur zu finden ist. Der Spiegeltuxer muss demnach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sein.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img data-dominant-color="736a5d" data-has-transparency="false" decoding="async" width="680" height="922" src="https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20251028_214133-1.webp" alt="" class="wp-image-79085 not-transparent" style="--dominant-color: #736a5d; width:402px;height:auto" srcset="https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20251028_214133-1.webp 680w, https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20251028_214133-1-221x300.webp 221w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></figure></div>


<p class="has-text-align-center">Franz Hölbling (geb. 1872) und Sebastian Hahndl (geb. 1868) präsentierten im Februar 1897 den Altartuxer beim Huttlerlaufen in Rum. (Foto: Wiener Volkskundemuseum, nachträglich koloriert)</p>



<p>Vergleicht man das Foto von 1897 mit heutigen Spiegeltuxern, zeigt sich, dass die Optik der Figur grundsätzlich gleichgeblieben ist. Nach wie vor ist der <em>Altar</em> mit Gockelfedern und Spielhahnstößen – gemeint sind damit die Schwanzfedern des Birkhahns – verziert. In der Mitte befindet sich ein Spiegel, der – ähnlich wie beim Zottler – zur Vertreibung der winterlichen Dämonen dient. Neu hinzugekommen sind im Laufe der Jahre die kleinen Spiegel, die zwischen den Blumen eingearbeitet sind, sowie die Ketten, die ebenfalls am <em>Altar</em> hängen. Zudem ist das schwarze <em>Leiberl</em> mit einem goldenen Tiroler Adler bestickt. Die Seidenbänder sowie das Schultertuch sind nach wie vor ein fixer Bestandteil der Figur. Der Kopfschmuck ist auf einem Fügener Hut angebracht, wie ihn auch die Melcher tragen, und wiegt zwischen zehn und fünfzehn Kilo. Die Larve wird sowohl auf dem Hut als auch mit einem Leder zum Schließen um den Kopf befestigt, sodass Kopfschmuck und Maske ein Ganzes sind. Interessant ist auch der Ausdruck der Larve selbst. Im Gegensatz zum Melcher, dessen Gesicht eher einem jungen Burschen gleicht, wirkt der Blick des Spiegeltuxers reifer und strenger, insgesamt erwachsener.</p>



<p>Symbolisch stehen die Spiegeltuxer in Absam zum Beispiel für den Frühsommer, in Rum hingegen stellen sie den Hochsommer dar. Gemeinsam mit den Melchern platteln sie für das Publikum, was angesichts des schweren Kopfschmucks eine beachtliche Leistung ist. Das Auf- und Niedergehen zwischen den einzelnen Bewegungen, stellt gemäß der Thaurer Deutung das Wachstum der Natur und bei der Brauchtumsgruppe Fritzens den Wechsel der Jahreszeiten dar.</p>



<p>(Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-5261)</p>



<p></p>
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		<item>
		<title>G wie Goaßl: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil IV)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 08:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer zur Faschingszeit durch Hötting spaziert, hat&#8217;s sicher schon einmal knallen gehört. Das Aperschnalzen – auch Peitschenschnöllen oder Goaßlschnalzn genannt – ist die akustische Begleitung der Tiroler Fasnacht und wird nicht nur in Hötting, sondern rund um Innsbruck in verschiedenen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wer zur Faschingszeit durch Hötting spaziert, hat&#8217;s sicher schon einmal knallen gehört. Das <em>Aperschnalzen </em>– auch <em>Peitschenschnöllen </em>oder <em>Goaßlschnalzn </em> genannt – ist die akustische Begleitung der Tiroler Fasnacht und wird nicht nur in Hötting, sondern rund um Innsbruck in verschiedenen Gemeinden gepflegt.</p>



<p>Das <em>Aperschnalzen</em> als Brauch findet hauptsächlich in Bayern, Österreich und Südtirol statt. Das Wort <em>aper</em> stammt aus dem Süddeutschen und bedeutet &#8222;schneefrei&#8220;. Beim Schnalzen werden rhythmische Knallgeräusche mit einer Peitsche, der sogenannten <em>Goaßl</em>, erzeugt. Der laute Schlag soll symbolisch den Winter vertreiben und den Frühling willkommen heißen. Die <em>Goaßl </em>besteht aus zwei bis vier Meter langen Hanfseilen und wird entweder geknüpft, gezopft oder gewickelt. Am Ende befindet sich ein Stiel mit einer Lederschlaufe zum Festhalten. Das vordere Ende heißt <em>Schmiz</em> und ist eine Reb- oder Nylonschnur, die den Knall erzeugt. Nur eine sorgsam geknüpfte <em>Goaßl </em>erzeugt einen sauberen und lauten Knall. Das Anfertigen der Peitsche verlangt demnach ein hohes Maß an Konzentration und Genauigkeit.</p>



<p>Früher war das Peitschenschnöllen ausschließlich den Männern vorbehalten, doch heute pflegen auch viele Frauen dieses alte Brauchtum. Die <em>Axamer Kirchtagsschnöller</em> sind zum Beispiel ein gemischter Verein, in dem Frauen und Männer abseits vom Fasching ab dem Almabtrieb bis zum Kirchsonntag (dritter Sonntag im Oktober) die Peitschen schwingen. Wer sich zur Fasnacht hingegen in den MARTHA-Dörfern aufhält, kann mit etwas Glück einen Zottler beim <em>Goaßlschnalzen</em> beobachten. Während der Umzüge tragen sie die<em> Goaßl</em> meist aufgewickelt bei sich. Besonders eindrucksvoll ist der Moment, wenn sich eine Gruppe zusammentut und im gleichen Rhythmus ihre <em>Goaßln </em>schnalzen lässt. Sie müssen ihr Schnöllen perfekt  aufeinander abstimmen, um immer im selben Takt zu bleiben. Die Herausforderung dabei ist, dass man die unterschiedliche Kraft der Schnöllerinnen und Schnöller sowie die unterschiedliche Länge der Peitschen berücksichtigen muss. Das Schnöllen ist eine schwierige Technik. Im Lernprozess bleiben vor allem zu Beginn die Ohren und der Kopf nicht vom Peitschenhieb verschont.</p>



<p>Unser heutiges Beitragsbild zeigt eine Druckplatte des Innsbrucker Malers und Grafikers Carl Heinrich Walter Kühn (1895-1970). Sein Werk umfasste vor allem Porträts, Landschaften und Zeichnungen sowie figürliche Wandmalereien, die stilistisch der Blut-und-Boden-Romantik des Nationalsozialismus zuzuordnen sind. Die Blut-und-Boden-Ideologie idealisierte die bäuerliche Lebensform und stellte sie als Gegensatz zum städtischen Leben dar. Dabei symbolisierte das Bauerntum die &#8222;germanisch-nordische Rasse&#8220;, wohingegen in der Stadt das &#8222;jüdische Nomadentum&#8220; hauste. Das Ziel war eine Verbäuerlichung der Gesellschaft, für die das Regime eigene Siedlungsgebiete vorsah. Die Kampfhandlungen während des Zweiten Weltkrieges sollten unter anderem auch Lebensraum im Osten zur &#8222;arischen Besiedlung&#8220; schaffen. Kühns Wandmalereien zieren heute noch einige Gebäude in Tirol. Ein  bekanntes Beispiel ist  die Fassadenmalerei <em>Bauer, Muse, Narr </em>am ehemaligen Kino in Hall.  Die vorliegende Druckplatte zeigt zwei Bauern in Hemd und Lederhose beim <em>Goaßlschnalzen</em>. Sie wurde zwischen 1930 und 1950 angefertigt.</p>



<p>Wer noch nie das Vergnügen hatte, eine <em>Goaßl</em> live zu hören, dem habe ich unten eine Hörprobe verlinkt. Des Weiteren hat meine Kollegin Hanna bereits vor drei Jahren über das <a href="https://innsbruck-erinnert.at/noch-ein-hoettinger-fundstueck/">Höttinger <em>Goaßlschnalzn</em> </a>berichtet. In ihrem Beitrag finden Sie auch alte Bilder von Schnöllern in Aktion.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<p class="wpex-roembed wpex-clr"><iframe title="Rumer Muller Tiroler Meisterschaft Peitschenschnöllen" width="980" height="551" src="https://www.youtube.com/embed/zORL0YZrv7Q?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
</div></figure>



<p>(Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Bi-g-1472_05)</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>B wie Bär: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil III)</title>
		<link>https://innsbruck-erinnert.at/b-wie-baer-das-tiroler-fasnachts-lexikon-teil-iii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2025 08:54:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport und Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den heutigen Fasnachts-Beitrag habe ich mir ein reizendes Pärchenfoto ausgesucht. Erlauben Sie mir, Ihnen die zwei Liebenden kurz vorzustellen. Zu unserer Rechten sehen fleißige Leserinnen und Leser unseres Blogs ein altbekanntes Gesicht: Der Innsbrucker Altbürgermeister Alois Lugger (1912-2005), vielen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Für den heutigen Fasnachts-Beitrag habe ich mir ein reizendes Pärchenfoto ausgesucht. Erlauben Sie mir,  Ihnen die zwei Liebenden kurz vorzustellen. Zu unserer Rechten sehen fleißige Leserinnen und Leser unseres Blogs ein altbekanntes Gesicht: Der Innsbrucker Altbürgermeister Alois Lugger (1912-2005), vielen unter dem Namen <em>Olympia-Luis</em> bekannt, lächelt charmant in die Kamera. Zu seiner Linken sehen wir einen Bären &#8211; aber natürlich keinen echten. Es handelt sich um eine weitverbreitete Verkleidung, die während der Fasnacht in vielen Tiroler Gemeinden anzutreffen ist. </p>



<p>In Thaur zum Beispiel begleiten die Bären die Muller. Sie treten entweder vor oder nach ihnen auf und begeistern das Publikum mit ihren Tänzen, zu denen sie der Bärentreiber mit dem Befehl &#8222;Bärele tanze!&#8220; auffordert. Sie haben einen starken Bezug zum Dorf selbst, da der heilige Romedius (geb. 330 n. Chr.) &#8211; der Dorfpatron &#8211; der Legende nach auf einem Bären, der sein Reitpferd gefressen hatte, von Thaur nach Südtirol geritten sein soll, um den Bischof von Trient ein letztes Mal vor seinem Ableben zu besuchen. In Telfs symbolisiert der Bär Fruchtbarkeit und Urwüchsigkeit. Das Einfangen der Bären vor Beginn der Fasnacht und ihr Auftritt als dressierte Tanzbären sollen eine gute Ernte einbringen.</p>



<p>Der Bär, der dem Altbürgermeister hier 1966 zugelaufen ist, stammt jedoch aus Nassereith. Er gehört zur Bärengruppe des Nassereither Schellerlaufens. Das Schellerlaufen zählt zu den größten Fasnachten Tirols. Der alle drei Jahre stattfinde Umzug ist der Höhepunkt des Nassereither Faschings und ein wichtiger Bestandteil der Ortskultur. Bereits 1949 beschrieb der Volkskundler Anton Dörrer (1886-1968) die enge Verbindung zwischen den Einheimischen und ihrer Fasnacht:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ihnen [den Bewohnerinnen und Bewohnern von Nassereith] ist daher auch ihre &#8222;Fasnacht&#8220;&#8218;, ihr &#8222;Unsinniger&#8220;, wie sie den Tag herkömmlich nennen, eine ganz eigene lebenswichtige Sache, für die sie Mühen und Opfer, ja man kann sagen: eine starke Leidenschaftlichkeit aufbringen wie kaum ein Ort für einen Brauch. [&#8230;] Sie schnitzen sich ihre kultstrengen und derbfreien Larven nach ihren Überlieferungen, Vorstellungen und Eindrücken. Sie dichten ihre Rügereime und Spottverse in ihrer scharfen, etwas scharrenden Mundart. [&#8230;] Und das alles für sich selber, in ihrer heftigen Leidenschaft und kurz angebundenen Eindringlichkeit, in ausgelassener Freude und Lust, einmal Laune und Witz spielen zu lassen. (Dörrer, 1949, S. 310)</p>
</blockquote>



<p>Wie alt das Nassereither Schellerlaufen genau ist, lässt sich schwer sagen. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in den Akten des Pfundser Schemenprozesses vom 21. April 1775. In Reutte verfasste der Kreishauptmann &#8211; ein hoher Verwaltungsbeamter zur Zeit der Monarchie &#8211; Franz Ehrenreich von Laicharding (Lebensdaten unbekannt) einen Bericht, in dem er unerlaubtes Maskengehen und &#8222;ausgeübten sträflichen Unfug&#8220; in Pfunds, Landeck, Imst und Nassereith erwähnte.</p>



<p>Die Bärengruppe ist die Hauptattraktion des Umzugs. Im Mittelpunkt steht der Bärenkampf, der den Kampf zwischen Frühling und Winter symbolisiert. Zunächst folgt der Bär seinem Treiber langsam auf einen Schneehaufen. Der Treiber wirft ihm anschließend den Stock zu. Der Bär hält ihn mit seinen Pranken und dreht sich im Kreis. Daraufhin wird der Bärentreiber immer zorniger und fordernder.</p>



<p>Zunächst legt er seinem Begleittier den Stock auf die Schultern, dann verpasst er ihm einen kräftigen Schlag und zwingt ihn dadurch auf die Knie. Der Bär soll ein <em>Purzegagle</em> machen, worauf dieser allerdings überhaupt keine Lust hat. Schließlich gibt er allerdings den Schlägen des Bärentreibers nach und führt das gewünschte Kunststück aus. Doch damit nicht genug:  Jetzt soll der Bär das Ganze auch nochmal rückwärts ausführen, was er nach erneuten Schlägen ebenso widerwillig macht. </p>



<p>Nun wendet sich der Bärentreiber der Menge zu und demonstriert seine Macht gegenüber dem wilden Raubtier. Er kehrt dem Bär den Rücken zu. Ein grober Fehler: Das Tier wittert seine Chance, greift den Bärentreiber an und wirft ihn zu Boden. Der Bärenpfeifer, bekleidet mit einem braunen Frack und weißer Hose, eilt pfeifend herbei und versucht, den Bären mit Kitzeln und Tätscheln abzulenken. Dennoch muss sich der Bärentreiber geschlagen geben. Die <em>Schieane</em>, die sich während des Kampfes völlig ruhig verhalten haben, beginnen nun zu schellen, zu springen und zu tanzen. Das ist der Moment, in dem der Frühling über den Winter gesiegt hat &#8211; und dieser Sieg wird dementsprechend ausgelassen gefeiert. Die <em>Schieane</em> sind Teil des Umzugs und bestehen aus mehreren Figuren, darunter etwa der Scheller, der Roller und der Kehrer. Sie stechen vor allem durch ihre Farbenpracht hervor.</p>



<p>Das Gewand der Bären wird aus schwarzen Schaffellen hergestellt. Die Treiber hingegen tragen ein Frack aus braunen Rupfen sowie eine blaue Hose und haben stets einen langen Bergstock bei sich. Den Kopf bedecken eine schwarze Perücke und eine rote Mütze. Bei Fasnachtsumzügen in anderen Gemeinden können einem auch weiße oder braune Bären begegnen.</p>



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<p class="wpex-roembed wpex-clr"><iframe title="Brauchtum in Tirol: Das Schellerlaufen in Nassereith, Tirol" width="980" height="551" src="https://www.youtube.com/embed/SBESm4OnJBE?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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<p>(Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-3165)</p>
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		<title>M wie Muller und Matschgerer: Das Tiroler Fasnachts-Lexikon (Teil II)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Kaiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Oct 2025 07:25:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport und Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
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					<description><![CDATA[Ja, heut giahn die Muller!Buem, habt’s&#160;alls&#160;banand?&#160;Die&#160;Peitschn, die&#160;Schelln&#160;und&#160;sinst’s&#160;ganze Gwand?&#160;Die Gurten, die&#160;Tiachlen,&#160;alls, was&#160;derzue&#160;ghöart.&#160;Tiats&#160;anständig&#160;treastern,&#160;wenn&#160;einigmullt&#160;weard.&#160; Mit einem Auszug aus einem Gedicht der Rumer Mundartdichterin Maria Recheis beginnen wir unsere Reise durch die Tiroler Fasnacht – und zwar mit jenem Brauch, der der Stadt Innsbruck&#8230;]]></description>
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<p class="has-text-align-center"><em>Ja, heut giahn die Muller!<br>Buem, habt’s&nbsp;alls&nbsp;banand?&nbsp;<br>Die&nbsp;Peitschn, die&nbsp;Schelln&nbsp;<br>und&nbsp;sinst’s&nbsp;ganze Gwand?&nbsp;<br>Die Gurten, die&nbsp;Tiachlen,&nbsp;<br>alls, was&nbsp;derzue&nbsp;ghöart.&nbsp;<br>Tiats&nbsp;anständig&nbsp;treastern,&nbsp;<br>wenn&nbsp;einigmullt&nbsp;weard.&nbsp;</em><br></p>



<p>Mit einem Auszug aus einem Gedicht der Rumer Mundartdichterin Maria Recheis beginnen wir unsere Reise durch die Tiroler Fasnacht – und zwar mit jenem Brauch, der der Stadt Innsbruck geografisch am nächsten liegt. Die Muller und Matschgerer sind ein fixer Bestandteil des Faschings in vielen Tiroler Gemeinden. Ich beziehe mich für diesen Beitrag allerdings auf das Mullen, wie es in den Brauchtumsgruppen der MARTHA-Dörfer (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur, Absam) sowie in einzelnen Stadtteilen Innsbrucks praktiziert wird.</p>



<p>Bei einem Muller- oder Matschgererumzug ziehen verschiedene Figuren durch die Straßen, die jeweils eine andere Jahreszeit bzw. den Wandel der Natur darstellen. Zu sehen ist unter anderem die Hexe, eine grimmig blickende alte Frau in Tracht, deren Gesicht von der ein oder anderen Warze gezeichnet ist. Mit ihrem Besen kehrt sie das &#8222;Böse&#8220; weg und schafft Platz für die nachfolgenden Gestalten, darunter zum Beispiel der Zaggeler. Er repräsentiert mit seinem blauen Anzug, den farbigen Quasten und der Weidenrute das bevorstehende Frühjahr, wohingegen der Melcher mit seiner kurzen Lederhose und dem bunten Kopfschmuck den beginnenden Sommer symbolisiert. Das Mullen beginnt frühestens nach dem Dreikönigstag – jedes Dorf folgt dabei seinen eigenen Regeln – und dauert höchstens bis zum Faschingsdienstag. Es findet entweder auf der Straße bei Umzügen, in Gasthäusern oder größeren Veranstaltungszentren statt. Die Muller und Matschgerer interagieren mit dem Publikum in Form des <em>Abmullens</em>. Dabei erhält eine Zuschauerin oder ein Zuschauer nach Wahl einen leichten Schlag auf die Schulter, der die Fruchtbarkeit steigern sowie Glück und Gesundheit bringen soll. Danach gibt es in der Regel <em>a Schnapsl</em> für die jeweilige Person. Nach Abschluss der Aufführung können die Damen aus der schaulustigen Menge zu einem Freitanz aufgefordert werden. Nur Männer und Burschen dürfen das Mullergewand tragen und an den Aufführungen mitwirken. Früher mussten sie zudem ledig sein &#8211; heute nimmt man es damit jedoch nicht mehr so genau. Frauen kommt eine &#8222;vorbereitende, zusehende und bewundernde Rolle&#8220; zu, so steht es etwa in einer Beschreibung des Brauchtums aus dem Jahr 1977. Zur Vorbereitung zählt beispielsweise, das Nähen, Schneidern und &#8211; bei Bedarf &#8211; das Reparieren der Kostüme sowie die Mithilfe bei der Organisation und Durchführung der Umzüge. Alles in allem wichtige Aufgaben, die für die Pflege des Brauchtums von essenzieller Bedeutung sind.</p>



<p>Es existieren unterschiedliche zeitliche Angaben zur Entstehung der Muller und Matschgerer. Die Vereine, die <em>mullen giahn</em>, sind recht jung. Die Absamer Matschgerer schlossen sich beispielsweise 1971 zusammen, 1972 folgten die Mühlauer Muller, wohingegen Thaurer Muller (1990) und die Rumer Muller (1994) zu den jüngeren Brauchtumsgruppen zählen, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Brauchtumsgruppe D&#8217;Pradler ist überhaupt erst 2014 gegründet worden. Die Tradition an sich ist jedoch deutlich älter, wobei sie erst ab dem 17. Jahrhundert schriftlich nachweisbar ist. Erzherzog Maximilian III. (1583-1616) erließ im Jahr 1610 beispielsweise eine Verordnung, um das Mullen in Thaur zu verbieten. Die ersten wissenschaftlichen Aufzeichnungen stammen aus dem 19. Jahrhundert. Im Jahr 1819 beschrieb der Wiener Kulturhistoriker Franz Žiška (1786-1855) das Treiben in den umliegenden Dörfern wie folgt: <em>&#8222;In der Umgegend des kleinen, [&#8230;] Städtchens Hall wird vom ersten Tage nach Maria Reinigung [Maria Lichtmess, Anm.], (mit Ausnahme des Freitages und des Sonnabends) bis einschließlich Fasnacht-Dienstag täglich Hudel gelaufen. Männer und Buben versammeln sich zu diesem Zwecke schon um ein Uhr Nachmittag vor der Dorfschenke, wohin sich schon früher der Hudler (gewöhnlich ein reicher Bauer) begeben hat, um sich zu verkleiden.&#8220;</em> (Žiška, 1819, S. 69). Das Huttlerlaufen ist der Vorreiter des Mullens. Die sogenannten Huttler waren maskierte Gestalten mit Holzlarven, die ein Schauspiel bzw. Straßentheater aufführten. Sie warfen Brezen und Münzen in die Menge und knallten mit der Peitsche, um das nach den Gaben gierige Publikum auseinanderzuhalten. Seinen Namen erhielt der Huttler durch sein Gewand, das aus Fetzen alter Kleidung,  den sogenannten &#8222;Hutten&#8220;, bestand. Der Umzug endete im Gasthaus bei Semmeln und Wein und die Huttler blieben bis zu ihrer Demaskierung im Lokal unerkannt. Die Begriffe Muller und Matschgerer kamen erstmals 1897 auf. Dieses Jahr ist von besonderer Bedeutung für die Erforschung des Brauchtums, da in dieser Zeit zentrale Quellen entstanden, die heute eine wichtige Grundlage für das Verständnis und die Dokumentation dieser Tradition bilden. Unter anderem beobachtete der Volkskundler Wilhelm Hein (1861-1903), ebenfalls a Wiener <em>heast</em>, den Fasnachtsumzug in Rum und beauftragte das Fotoatelier Stockhammer in Hall einzelne Figuren sowie die ganze Gruppe bildlich festzuhalten.</p>


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<figure class="aligncenter size-large"><img data-dominant-color="a58d6f" data-has-transparency="true" style="--dominant-color: #a58d6f;" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/10/Gruppenbild-1024x576.webp" alt="" class="wp-image-77542 has-transparency" srcset="https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/10/Gruppenbild-1024x576.webp 1024w, https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/10/Gruppenbild-300x169.webp 300w, https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/10/Gruppenbild-768x432.webp 768w, https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/10/Gruppenbild-1536x865.webp 1536w, https://innsbruck-erinnert.at/wp-content/uploads/2025/10/Gruppenbild.webp 1716w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Gruppenfoto der Rumer Huttler vom 7. Februar 1897. Zu sehen sind unter anderem eine Musikkapelle (ganz links) sowie drei Altartuxer (Mitte) und vier Zottler (Mitte). Die knienden Figuren in den weißen Hemden sind Melcher. Sie tragen eine kurze Lederhose, die sie zum Schuhplatteln benötigen. (Volkskundemuseum Wien</em>)</figcaption></figure></div>


<p>Kommen wir abschließend zu unserem heutigen Foto. Es zeigt zwei kniende Zottler beim Faschingsumzug 1971 in der Schmelzergasse in St. Nikolaus. Der Zottler zählt zu einer der wichtigsten Figuren der Matschgerer und Muller und ist aufgrund seines imposanten Auftretens auch meine Lieblingsfigur. In zirkelnden Bewegungen bewegt er sich lärmend, stampfend und springend am Publikum vorbei. Dabei kommen die am Gewand hängenden Fransen, die bunt, schwarz oder braun sein können, besonders zur Geltung. Die Farben der Fransen variieren ebenfalls von Dorf zu Dorf. Der Zottler symbolisiert den Winter, dementsprechend streng ist auch der Ausdruck seiner Larve. Am Kopf trägt er ein Fuchsfell und meistens auch einen Kopfschmuck aus Pfauenfedern. In der Mitte des Kopfschmucks glänzt ein kleiner Spiegel. Er dient bei den Mullerlarven als apotropäisches Symbol, das heißt, er vertreibt die Dämonen des Winters, indem er ihnen ihre eigene Hässlichkeit vor Augen führt, woraufhin sie fliehen und dem Frühling Platz machen. Um den Bauch tragen sowohl der Zottler als auch einige andere Figuren einen Ranzengürtel.</p>



<p>Auf dem ausgewählten Foto sind die Zottler gerade dabei den sogenannten <em>Frosch </em>auszuführen. Dabei springen sie zuvor in die Luft und landen dann mit angewinkelten Beinen auf dem Rücken. Anschließend kann ein Melcher oder Spiegeltuxer auf seinen Bauch steigen, womit der Sieg des Frühjahres über den Winter symbolisiert wird. Der heutige Fasnachts-Beitrag ist gleichzeitig auch ein kleines Rätsel. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich auf dem Foto um Zottler der Mühlauer Muller handelt. Bei meiner Recherche erhielt ich nämlich den Hinweis, dass die Mühlauer Muller eine Zeitlang Handschuhe bei ihren Auftritten trugen, wie sie auch hier auf dem Bild klar zu erkennen sind. Aber vielleicht können Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Vermutung endgültig bestätigen? Waren Sie an dem Tag des Umzugs vor Ort und können sich noch daran erinnern? Lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen! </p>



<p>Wer im Übrigen noch nie bei einem Muller- bzw. Matschgererumzug dabei war, dem empfehle ich das folgende Video für einen kleinen Vorgeschmack. Vielleicht bekommen Sie ja dann Lust, das Mullen bei der nächsten Fasnacht einmal hautnah mitzuerleben.</p>



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<p>(Foto: Stadtarchiv Innsbruck, Ph-9298)</p>



<p></p>
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