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Hinter Jedem Foto …

Hinter jedem Foto …

… steckt eine Geschichte; man muss sie nur „freilegen“. Diese – zugegeben etwas banale – Feststellung wird Sie nicht weiter überraschen. Doch heute wollen wir einmal in Form eines Werkstattberichts ein wenig hinter die Kulissen blicken und neben der eigentlichen Geschichte auch Einblicke in die Recherchearbeit bieten.

Die Freilegung der Geschichte(n), die sich hinter einer Aufnahme verbirgt bzw. verbergen, gestaltet sich manchmal schwieriger, manchmal leichter. In jedem Fall sind aber eine gehörige Portion Neugier und ein detektivischer Spürsinn von Vorteil. Dies gilt auch für die Geschichte, die mit dieser Portraitaufnahme im Kabinettformat des Innsbrucker Fotografen August Wilcke verknüpft ist. Wir sehen einen Oberleutnant, der offensichtlich einem „ungarischen“ Infanterieregiment (erkennbar an den Armlitzen) der k.u.k. Armee angehörte. In der einen Hand hält er seine schwarze Offizierskappe, die andere Hand ruht am Säbelgriff. Gut zu erkennen ist das aus Gold und schwarzer Seide bestehende Offiziers-Portepée mit den Quastenknöpfen.
Auf der Rückseite der Aufnahme findet sich folgende Widmung:

„Innsbruck im Juni 97
Seiner Schwägerin in spe zur Erinnerung an den Aufenthalt in Innsbruck
Burkhard“

Von anderer Hand – vermutlich der erwähnten Schwägerin – wurde mit Bleistift ergänzt: „† 26/1 1898“

Bereits der eher seltene Vorname des Offiziers bringt uns auf seine Spur. Eine Recherche im Militärschematismus (1898) erbringt zwar keinen Treffer für die Schreibweise „Burkhard“, weist aber zwei Infanterieoffiziere mit dem Vornamen „Burghard“ aus: Burghard Brázda und Burghard Rautenkranz. Ersterer scheidet allerdings aus, da weder sein Rang noch seine Regiment zum Portrait passen. Demnach scheint es sehr wahrscheinlich, dass unsere Aufnahme Burghard Rautenkranz, Oberleutnant im ungarischen Infanterieregiment „Kaiser Leopold II.“ Nr. 33, zeigt.

Haben wir nun einen Namen, so lassen sich weitere biographische Eckdaten bequem vom Schreibtisch aus via ANNO und den Matriken recherchieren. Demnach wurde „unser“ Oberleutnant am 2. September 1869 in Reutte als Sohn des k.k. Bezirkskommissärs Wilhelm Rautenkranz und dessen Frau Karoline, geb. Leeb geboren. Er begann seine Laufbahn 1892 als Kadett beim Infanterieregiment Nr. 33 in Arad; mit 1. November 1893 wurde er zum Leutnant und mit 1. Mai 1897 zum Oberleutnant in seinem Regiment befördert – unsere Aufnahme muss demnach nach dem 1. Mai 1897 im Atelier von August Wilcke enstanden sein. Bei der „Schwägerin in spe“, der diese Aufnahme gewidmet war, dürfte es sich um Wilhelmine Lengger handeln, die am 5. Oktober 1897 in Dillingen (Bayern) den k. k. Finanzbeamten Otto Rautenkranz heiraten sollte.

Keine vier Monate nach der Hochzeit seines Bruders kam Burkhard Rautenkranz bei einem tragischen Jagunfall ums Leben. Die Innsbrucker Nachrichten berichteten am 1. Feber 1898 ausführlich über das Unglück:

Bericht aus den Innsbrucker Nachrichten vom 1. Feber 1898.

Burkhard Rautenkranz wurde am 28. Jänner 1898 am Militärfriedhof in Arad begraben.

(Quelle: Privat)

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