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Gastspiel

Gastspiel

Neben Ludwig van Beethoven (1770-1827) ist heuer wohl Franz Lehár (1870-1948) einer der bekanntesten musikalischen Jahresregenten. Zu seinen berühmtesten Werken zählen die Operetten „Die lustige Witwe“ (uraufgeführt 1905), „Der Graf von Luxemburg“ (uraufgeführt 1909) und „Das Land des Lächelns“ (uraufgeführt 1929). Neben Operetten kommponierte Franz Lehár auch zahlreiche Märsche (u.a. „Jetzt geht’s los“, „Piave-Marsch“), Walzer (u.a. „Gold und Silber“, „Ballsirenen“, „Adria Walzer“), Suiten und einige heute kaum mehr bekannte Konzerstücke.

Als Sohn eines k.u.k. Militärkapellmeisters, der sich selbst mit Kompositionen hervor tat, wurde Lehár das musikalische Talent in die Wiege gelegt. Seine Begabung wurde früh bemerkt; den ersten Musikunterricht erteilte ihm sein Vater Franz Lehár sen. Mit sechs Jahren unternahm Franz jun. seine ersten Kompositionsversuche. Als zwölfjähriger ging er an das berühmte Prager Konservatorium, wo Antonín Dvořák und Johannes Brahms auf das junge Talent aufmerksam wurden. Da das Leben als Musiker und Komponist auch im ausgehenden 19. Jahrhundert kein einfaches war, trat Lehár nach dem erfolgreichen Abschluss des Konservatoriums in die Fusststapfen seines Vaters und wurde im Jahr 1890, mit nur 20 Jahren, der jüngste Militärkapellmeister der Habsburgermonarchie.

Neben seinen militärischen Dienstpflichten komponierte Lehár eifrig weiter. Von 1899 bis 1902 leitete er die Musik des k.u.k. Infanterieregiments Nr. 26, das damals in Wien garnisonierte. In diesen Jahren „fand er Zugang zu den großen Musiktheatern der Stadt“ und erhielt 1902 eine Anstellung als Vertragskomponist am Theater an der Wien. In diese Ära fällt auch sein – vermutlich – einziges Gastspiel in Innsbruck. Nachdem im Frühjahr 1903 Lehárs Operetten „Wiener Frauen“ und „Der Rastelbinder“ mit großem Erfolg am hiesigen Stadttheater aufgeführt wurden, reiste der Komponist auf Einladung der Direktion nach Innsbruck, um am Samstag, den 7. März 1903, die „Wiener Frauen“ und am Sonntag, den 8. März 1903, den „Rastelbinder“ selbst zu dirigieren. Die Innsbrucker Nachrichten berichteten im Vorfeld darüber:

„Jedenfalls bleibt es ein musikalisches Ereignis den durch die Vorzüglichkeit seiner Werke so rasch populär gewordenen Komponisten Franz Lehar persönlich kennen zu lernen. Dieses Gastspiel findet außer Abonnement, ohne Gültigkeit der Ermäßigungen statt.“

Zwei Jahre später gelang Lehár mit der „Lustigen Witwe“ ein Welterfolg, der ihm auch zu materiellem Wohlstand verhelfen sollte. Noch heute zählt sie zu den meistaufgeführten Operetten.

„Lehár, der sich selbst als apolitischen Künstler sah,“ komponierte nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges einige patriotische-propagantistische Werke und gab sich später auch für die NS-Propaganda her. Christian Glanz schreibt mit Blick auf Lehár und die NS-Zeit im Österreichischen Musiklexikon online:

„Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland hatte auch für L[ehár] einschneidende Folgen: zunächst infolge seiner Zusammenarbeit mit ’nichtarischen‘ Librettisten (die, falls sie nicht rechtzeitig flüchten konnten, wie F. Löhner-Beda in Nazilagern ermordet wurden), Interpreten ([Richard] Tauber) und Theaterunternehmern kurz sogar boykottiert, wurden seine Erfolgsoperetten zwar durch Intervention von Joseph Goebbels schnell wieder auf die Spielpläne gesetzt. L[ehár] war jedoch nicht zuletzt wegen seiner nichtarischen Gattin Sophie (Heirat 1924) weiterhin angreifbar. Vielleicht auch deshalb ließ er sich nicht nur als Aushängeschild der NS-Kulturpropaganda feiern, sondern stellte sich u. a. während des Zweiten Weltkriegs auch für Propagandakonzerte zur Verfügung.“

Aus gesundheitlichen Gründen übersiedelte Lehár 1943 mit seiner Frau Sophie in die Schweiz und kehrte erst nach dem Kriegsende nach Österreich zurück, wo er sich (wieder) in Bad Ischl niederließ. Hier starb er am 24. Oktober 1948.

(Quellen: https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_L/Lehar_familie.xml / https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_Leh%C3%A1r / Foto, Privatbesitz)

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